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Allgemeinbildende Schulen
Situation
Mangelnde Personal- und Sachausstattung und knappe Finanzen lassen in den allgemeinbildenden Schulen eine individuelle Förderung der Schüler kaum zu. Die Folge: Über den Schulerfolg entscheidet weniger die Intelligenz eines Kindes als vielmehr seine soziale Herkunft.Wertvolle Potenziale gehen so verloren, Chancengleichheit kann nicht gewährleistet werden.
Das Schulwesen hat Mühe mit dem Tempo Schritt zu halten, in dem sich Wirtschaft und Gesellschaft verändern. Schülerinnen und Schüler brauchen durch die Schule nicht mehr nur Lernbegleitung, sondern zunehmend Lebensbegleitung. Um den veränderten Erwartungen und Problemen gerecht werden zu können, fehlen einzelnen Schulen Entscheidungsspielräume. Ein hohes Maß an Reglementierungen behindert flexible und individuelle Lösungen vor Ort. Auch ist offensichtlich, dass die differenzierten Anforderungen nicht mehr alleine durch die Lehrkräfte zu bewältigen sind, sondern nur mehr im Team mit spezialisiertem Fachpersonal aus Fachwissenschaft und Erziehungspraxis.
Folgen
Die Grundschule steht vor der Aufgabe der Vorbereitung auf weiterführende Schulen. Erschwerend ist hierbei die fehlende Akzeptanz der Kompetenzfeststellungen der Lehrkräfte durch die Eltern und die weitgehende Unkenntnis der Vielfalt der Bildungswege in Bayern und der Durchlässigkeit und Übergangsmöglichkeiten.
Die Folge ist zum einen die unzureichende Förderung der schwächeren Schüler und zum anderen Überforderung von Jugendlichen und hohe Abbrecherquoten. 38 % aller Schüler in der 8. Klasse sind Hauptschüler und etwa die Hälfte der Auszubildenden kommt von der Hauptschule. Die Unternehmen setzen deshalb auf diese Schulart bei der Qualifizierung von Fachkräften. Mit der bayerischen Mittelschule wird die Hauptschulinitiative fortgeführt. Berufsorientierung und Berufsreife sind im Schulprofil fest verankert und das Leistungsportfolio ist klar definiert (Ganztagesangebot, individuelle Lernförderung, Mittlerer Schulabschluss). Die Dringlichkeit der Veränderung belegen folgende Zahlen:
Pro Jahr verlassen in Bayern über 8.000 Jugendliche - vorwiegend Hauptschüler - die Schule ohne Abschluss. Etwa 20 Prozent aller Schulabgänger gehören zur sogenannten "Risikogruppe", die mit 15 Jahren nicht in der Lage sind, richtig zu lesen, zu schreiben und zu rechnen. Der Weg in die Arbeits- und Perspektivlosigkeit ist damit vorgezeichnet: Neben hohen Kosten entsteht hier auch ein nicht zu unterschätzender sozialer Sprengstoff.
In allen Schularten erschweren mangelnder Praxisbezug und eine unzureichende Berufsorientierung den Schülern eine fundierte Zukunftsplanung. Die hohe Zahl von Schul-, Ausbildungs- und Studienabbrüchen ist zu einem erheblichen Teil darauf zurückzuführen.
Die wenig attraktive Gestaltung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer ist eine der Ursachen für den Mangel an Interessenten für technische Berufe und natur- und ingenieurwissenschaftlich orientierte Studiengänge, bis hin zum Lehrkräftenachwuchs in den einschlägigen Fächern.
Zielsetzung
Schule und Elternhaus haben die Aufgabe, Kinder aufs Leben vorzubereiten, das heißt, sie mit Werten, Wissen und Können so auszustatten, dass ihnen ein aktives, eigenverantwortliches, wirtschaftlich selbstständiges Leben in der Gemeinschaft möglich ist. Dazu müssen die Schulen mehr als bisher die Kinder dort abholen, wo sie stehen. Nicht Auslese, sondern individuelle Förderung muss das zentrale Ziel werden - die Förderung von Benachteiligten genauso wie die Förderung von Hochbegabten. Dazu gehört die bewusstere Wahrnehmung des Erziehungsauftrags, den die bayerische Verfassung den Schulen übertragen hat, und ein Verständnis von Bildung, das auch Ausbildung beinhaltet - das heißt die Vorbereitung auf das spätere Berufsleben.
Nach wie vor hängt der Schulerfolg eines Kindes in hohem Maße von seiner sozialen Herkunft, seinem Wohnort und seiner Nationalität ab. Ein Akademikerkind hat viermal mehr Chancen zum Abitur zu kommen, als ein Facharbeiter- oder Handwerkerkind. Das Schulsystem muss so weiterentwickelt werden, dass Lebenschancen von den Talenten der Kinder abhängen und nicht von ihrer Herkunft. Kleine Lerngruppen, individuelle Betreuung, Förderunterricht, Ganztagsklassen und Schulsozialarbeit sind zentrale Voraussetzungen, um dieses Ziel zu erreichen.
Wichtiges Erfolgselement ist hier die Ausgestaltung der Übergänge - vom Kindergarten in die Schule, von einer Schulart zur anderen, von der Schule in den Beruf bzw. ins Studium. Fast die Hälfte der Gymnasiasten kommen nicht zum Abitur, rund 30 Prozent der Studierenden nicht zu einem Studienabschluss. In allen Schularten wissen erschreckend viele Schüler der Abgangsklassen nicht, wie sie sich in Bezug auf Beruf oder Studium entscheiden sollen. Eltern und Kinder müssen frühzeitig und konsequent darauf vorbereitet werden, nicht den höchst möglichen, sondern den passendsten Schul- und Berufsabschluss anzustreben.
(Foto: Gerd Altmann/Pixelio)











