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Weiterbildungs- programm 2012

IHK-Zeitschrift 05/12

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>>  IHK Niederbayern  >>  Ausbildung  >>  Bildungspolitik  >>  Berufsschulen

Etwa 60 Prozent der Schulabsolventen durchlaufen eine Berufsausbildung im dualen System. Die Unternehmen bieten eine Ausbildung an, die unmittelbar am Bedarf des Arbeitsmarktes orientiert ist. Rund 340 Ausbildungsberufe mit differenzierten Anforderungsprofilen stehen für unterschiedlich qualifizierte Bewerber zur Wahl, vom Schulabbrecher ohne Abschluss bis zum Abiturienten. Anders als im weiterführenden schulischen oder akademischen Bereich ist der Zugang zu einem Ausbildungsberuf nicht mit einem Numerus clausus versehen. Er setzt aber Ausbildungsreife voraus, das heißt ein Mindestmaß an grundlegenden kognitiven, sozialen und persönlichen Kompetenzen. Allerdings verlassen rund 20 Prozent der Schulabgänger die allgemeinbildenden Schulen ohne diese Voraussetzungen. Mangelnde Ausbildungsreife ist für die Mehrzahl der bayerischen Ausbildungsbetriebe nach wie vor das größte Hemmnis bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze.

Die demografische Entwicklung führt bis 2020 zu einem Rückgang der Schulabgänger um ca. 20 Prozent, die Anforderungen in der Berufsausbildung steigen weiter an. Wird der Anteil der ausbildungsreifen Schulabgänger nicht deutlich erhöht, entsteht ein markanter Fachkräftemangel. Dadurch wird das Wirtschaftswachstum gebremst und das Gleichgewicht der sozialen Sicherungssysteme und somit die gesamte gesellschaftliche Balance gefährdet.

Für die Attraktivität eines Ausbildungsberufs ist es maßgeblich, dass die Berufsschule in erreichbarer Nähe zum Ausbildungsplatz liegt. Neue, zukunftsträchtige Berufe mit einer entsprechenden Zahl an zusätzlichen Ausbildungsplätzen werden sich nur etablieren können, wenn ein weiteres Auseinanderdriften der Standorte von Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen vermieden wird.

Die Industrie- und Handelskammern arbeiten an einer Weiterentwicklung der betrieblichen Berufsausbildung, die die Ausbildung flexibler gestaltet und Betriebe und Auszubildende mit mehr Wahlmöglichkeiten ausstattet. Vorgesehen ist im ersten Teil der Ausbildung die Vermittlung gemeinsamer Kernkompetenzen für eine Berufsgruppe, im zweiten Teil die Vermittlung spezialisierter, profilgebender Kompetenzen über wählbare Module.

Dabei werden das Berufsprinzip und neutrale, bundeseinheitliche Prüfungen als Qualitätsmerkmale des dualen Systems beibehalten (siehe IHK-Modell "Dual mit Wahl"). Dieses Modell soll schon jetzt bestehende Gemeinsamkeiten innerhalb von Berufsgruppen verstärken und Ausbildung und Beschulung auch in Zeiten sinkender Berufsschülerzahlen standortnah realisierbar machen.

Begleitend dazu sollte über alle Berufe hinweg das Fremdsprachenangebot gestärkt werden. Mit Blick auf die Internationalisierung gilt dies vor allem für Englisch.

Für die Berufsschulen streben die IHKs eine Reihe von Verbesserungen an: Die einzelnen Berufsschulen erhalten durch die Übertragung von mehr Autonomie zusätzliche Flexibilität als Partner im dualen System.

Der Schülerrückgang der nächsten Jahre wird nicht zum Personalabbau, sondern zur Qualitätsverbesserung an den Berufsschulen einbezogen. Das Internet wird intensiv genutzt - es bietet den Berufsschulen neue Gestaltungsmöglichkeiten selbstgesteuerten und standortunabhängigen Lernens, insbesondere bei profilgebenden Kompetenzen und spezialisierten Modulen.

Den dualen Partnern Schule und Betrieb wurden vom Berufsbildungsgesetz paritätisch besetzte Prüfungsausschüsse auferlegt; die verstärkte Mitwirkung der Berufsschullehrer in diesen Prüfungsausschüssen sichert die Qualität der Prüfungen. Die Mitwirkung der Lehrer entspricht der Logik des dualen Systems und intensiviert zugleich die Kooperation zwischen betrieblichen Ausbildern und Berufsschullehrern.

(Foto: Dieter Schütz/Pixelio)