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Weiterbildung
Situation
Die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland verharrt auf dem niedrigen Niveau von 2003. Die Teilnahmequote an Weiterbildung liegt mit 44 Prozent (TNS Infratest Sozialforschung, Adult Education Survey 2007) dabei deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Besonders dramatisch ist, dass lediglich 30 Prozent der Personen mit einem niedrigen Schulabschluss und geringer beruflicher Qualifikation an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Mit Blick auf die Altersstruktur der Bevölkerung ist es auch alarmierend, dass die Altersgruppe der über 50-jährigen nur zu einem geringen Anteil Weiterbildungsmaßnahmen wahrnimmt.
Der Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland verändert sich unaufhaltsam. Immer weniger Junge wachsen nach und die Erwerbstätigen scheiden erheblich früher als im internationalen Vergleich aus dem Erwerbsleben aus. Gleichzeitig leistet sich Bayern eine große Gruppe unqualifizierter Arbeitskräfte, die im Fall der Arbeitslosigkeit kaum Vermittlungschancen am Arbeitsmarkt haben.
Folgen
Zwischen 2010 und 2035 geht in Deutschland die Zahl der Erwerbstätigen um acht Millionen zurück. Die Konsequenz ist ein deutlicher Fachkräftemangel und damit eine Hemmung von Wachstumsdynamik und Wettbewerbsfähigkeit. Zwar profitiert Bayern gegenüber der Mehrheit der deutschen Bundesländer zunächst von Zuwanderungen aus dem In- und Ausland, gleichwohl übersteigt die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern das Angebot deutlich.
Zielsetzung
Für den nachträglichen Erwerb von Qualifikationen müssen deutliche Anreize geschaffen werden. Eigenverantwortliche Weiterbildung muss für alle Beschäftigtengruppen so erstrebenswert werden, dass die Investition von Freizeit und eigenen finanziellen Mitteln wieder selbstverständlich wird. Die Förderung von Weiterbildung muss direkt dem Nutzer der Bildungsangebote zugute kommen. Stichworte wie Bildungssparen und Bildungsscheck weisen in die richtige Richtung, ein deutlich spürbarer steuerlicher Bildungsbonus wäre wertvoll. Eine nachhaltige, professionelle Marketingkampagne ist in diesem Zusammenhang unerlässlich.
Das duale Bildungssystem und die Hochschulausbildung sind gleichwertig. Auf unterschiedlichen Wegen sind Vorbereitung und Einstieg in berufliche Tätigkeiten und in die Arbeitswelt möglich. Innerhalb dieser Systeme gibt es für die jeweils leistungsstärksten Absolventen weiterführende oder zusätzliche Qualifikationen.
Auf dieser Basis muss auch im europäischen Gestaltungsraum eine angemessene Eingruppierung der speziellen deutschen Qualifikationsstufen eingefordert werden. Um die Gleichwertigkeit und das hohe Niveau der beruflichen Bildung auch international zu dokumentieren, müssen die Abschlüsse der beruflichen Weiterbildung mit der Bezeichnung "Bachelor Professional" versehen werden.
Die Durchlässigkeit des Bildungssystems und die gegenseitige Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflicher Bildung und Hochschulbildung muss konsequent durchgesetzt werden. Mit der Hochschulrechtsänderung ist Bayern jetzt vorangegangen. Nun müssen Strukturen geschaffen werden, die beruflich Qualifizierten zielgerichtete Weiterbildung und praxisorientierte Hochschulstudiengänge neben ihrer beruflichen Tätigkeit ermöglichen. In der beruflichen Aus- und Weiterbildung erbrachte Leistungen müssen auf Hochschulstudiengänge vollständig angerechnet werden, um einen barrierefreien Wechsel zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen zu ermöglichen. Außerdem ist eine bundesweit einheitliche Hochschulzugangsregelung nach bayerischem Vorbild anzustreben.
Mit Blick auf die enorme Wichtigkeit des Themas "Lebenslanges Lernen" bieten die bayerischen IHKs seit langem für ihre Mitgliedsunternehmen und deren Fach- und Führungskräfte eine neutrale Weiterbildungsberatung. Der Beratungsbedarf betrifft längst alle Bevölkerungsgruppen. Daher muss die Weiterbildungsberatung und gegebenenfalls die Weiterbildungsförderung gerade für derzeit bildungs- und erwerbsferne Menschen ausgebaut werden.











