Adé Lernmythen: Wie Betriebe Weiterbildung wirksam machen

Die zentrale Erkenntnis beim Forum Personal der IHK am Standort Landshut: Mitarbeiter lernen nur dann wirksam, wenn Lerninhalte in ihren Augen relevant sind, nützliche Lösungen bieten und die Unternehmenskultur Lernen nicht nur zulässt, sondern aktiv fördert.

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Die Teilnehmer der Netzwerkveranstaltung mit Karl Heinz Friedrich, Leiter Berufliche Bildung bei der IHK Niederbayern, Dr. Yvonne Behnke und Daniela Hausteiner, Leiterin der IHK-Akademie (vorn, von links), am Haus der Wirtschaft, dem Standort Landshut der IHK Niederbayern.

Die Anforderungen an betriebliche Weiterbildung sind heute höher denn je. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und ein permanenter Strukturwandel verlangen von Unternehmen und ihren Personalverantwortlichen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Klassische Weiterbildungsformate geraten dabei zunehmend an ihre Grenzen – zu starr, zu langsam, zu wenig wirksam. HR-Verantwortliche aus ganz Niederbayern analysierten und diskutierten bei der aktuellen Ausgabe der Netzwerkveranstaltung Forum Personal, weshalb sich Lernmythen in Unternehmen so hartnäckig halten – und wie evidenzbasiertes, nachhaltiges und selbstgesteuertes Lernen im betrieblichen Alltag tatsächlich gelingen kann.

Impulse lieferte Dr. Yvonne Behnke, Learning- und Development-Strategin, Wissenschaftlerin und Autorin. Als „Architektin“ für evidenzbasiertes Corporate Learning und ausgewiesene „Lernmythen-Detektivin“ begleitet sie Unternehmen bei der Neuausrichtung ihrer Lernstrategien. Ihre klare Botschaft: Das Festhalten an vermeintlichen Best Practices und standardisierten Musterlösungen führt häufig zu ineffektiven Trainings, ungenutzten Potenzialen und mentalem Schubladendenken. „Das kostet Zeit, Geld und Energie – bei Lernenden, Lehrenden und in der gesamten Organisation“, so Behnke. Dazu erarbeiteten die niederbayerischen HR-Experten gemeinsam, welche Faktoren nachhaltiges Lernen tatsächlich begünstigen. Schnell wurde deutlich: Mitarbeiter müssen „mitgenommen“ werden. Erst wenn Relevanz, Nutzen und Anschlussfähigkeit eines Lernangebots nachvollziehbar sind, entsteht Lernbereitschaft und schließlich auch der messbare Erfolg.

Die eingesetzten Lernmedien spielen dabei eine zentrale Rolle. Arbeitgeber sind gefordert, diese kritisch zu hinterfragen, betonte Behnke. Ihr pointierter Appell: „Weg mit dem Dekogemüse – stattdessen kleine, gut verdauliche Lernportionen und klare Orientierung.“ Einigkeit herrschte darüber, dass reine Theorievermittlung kaum Wirkung entfaltet. Menschen lernen nachhaltiger im Austausch, durch gemeinsames Arbeiten und vor allem dann, wenn der konkrete Mehrwert des Gelernten sichtbar wird. Aktuell im Fokus stehen Formate wie Gamification, Microlearning, videobasiertes Lernen oder selbstgesteuerte Lernsettings. Entscheidend seien jedoch weniger Methoden und Tools, so Behnke, sondern vor allem der zielgerichtete didaktisch sinnvolle Einsatz.
„Methode nicht weil Mode, sondern was am besten auf das Lernziel einzahlt, abgestimmt auf die Lernenden – und eine Unternehmenskultur, die Lernen als strategischen Erfolgsfaktor versteht“, betonte die Wissenschaftlerin.

Als „Learning-Specialist“ mit langjähriger Praxiserfahrung brachte Daniela Hausteiner, Leiterin der IHK-Akademie Niederbayern, ihre Expertise ein mit der Vorstellung eines ganzheitlichen Trainingskonzeptes für eine strategische Jobrolle. Karl Heinz Friedrich, Leiter Berufliche Bildung bei der IHK Niederbayern, Spezialist für KI in Bildung, HR und Leadership, rundete die Veranstaltung mit dem Fokus auf den KI-gestützten Lerntransfer ab.

Artikelnr: 356208