Verteidigung braucht auch die Wirtschaft

Verteidigungsexperten aus Politik und Bundeswehr zu Gast im IHK-Gremium

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Die Unternehmerinnen und Unternehmer im IHK-Gremium Deggendorf mit Gastgeber Daniel Rauh, IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner und dem Gremiumsvorsitzenden Toni Fink (von links) sowie den Gästen Thomas Erndl und Claus Schorn (hintere Reihe von rechts)

„Wirtschaft und Verteidigung“ war das Schwerpunktthema bei einer Sitzung des IHK-Gremiums Deggendorf bei Dobler Metallbau in Deggendorf/Großwalding. „Alles rückt näher. Das Thema Verteidigung und die Tätigkeit unserer Bundeswehr haben eine Bedeutung bekommen, die sie in den vergangenen Jahrzehnten nicht hatten“, sagte der Gremiumsvorsitzende, IHK-Vizepräsident Toni Fink, in der Sitzung. Die Unternehmer im Gremium hatten daher zwei ausgewiesene Experten eingeladen: den regionalen Bundestagsabgeordneten und Verteidigungspolitischen Sprecher seiner Fraktion Thomas Erndl sowie den Oberst der Reserve Claus Schorn.

Schorn leitet das Bezirksverbindungskommando der Bundeswehr für Niederbayern. Das Kommando soll militärische, zivile und öffentliche Strukturen miteinander vernetzen – als Vorbereitung auf den Katastrophen- wie auf den Verteidigungsfall. „Es ist nicht meine Aufgabe, Ihnen vorzuschreiben, was in einem Verteidigungsfall in Ihren Unternehmen zu geschehen hat. Aber ich kann Themen ansprechen und dafür sensibilisieren“, stellte Schorn den Gremiumsmitgliedern gegenüber klar. Der Krieg der Zukunft werde nicht nur mit Artilleriegeschützen oder Gewehren geführt. Auch Desinformation, Cyber-Angriffe, Sabotage oder Ausspähung gehörten dazu. „Wir müssen uns damit auseinandersetzen und dürfen nicht einfach abwarten“, unterstrich der Oberst. Im Sinne einer „Gesamtverteidigung“ müsse man sich vorbereiten: mit militärischer wie ziviler Verteidigung. Der Wirtschaft komme in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zu.

Erndl – selbst Reservist der Bundeswehr – griff das auf und ergänzte die Punkte Beschaffung und Produktion. Die finanziellen Voraussetzungen für den Aufbau der Verteidigungsfähigkeit seien geschaffen, jetzt gehe es um mehr Personal, neues Material und eine bessere Infrastruktur für die Bundeswehr. „Das ist eine Aufgabe, die uns maximal fordert. Ich glaube, dass der Mittelstand dabei noch stärker einbezogen werden kann“, betonte Erndl. Hier hakte IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner ein: Gerade für kleinere Betriebe sei es eine Herausforderung, mit der Verteidigungsindustrie oder direkt mit der Bundeswehr in Kontakt zu kommen. Letztlich benötigten alle Unternehmen, die einen Beitrag für Sicherheit und Verteidigung leisten können, mehr Informationen und konkrete Angaben. „Die Betriebe wollen wissen, was im Verteidigungsfall auf sie zukommt – ob sie einen Lkw stellen müssen, welche Verkehrswege gesperrt werden oder ob sie ihre Produktion anpassen müssen“, bekräftigte Schreiner. Sowohl Schorn als auch Erndl nahmen diese Anforderung aus der Wirtschaft auf.

Im Vorfeld der Sitzung konnten sich die Unternehmer und Gäste des Gremiums ein Bild von der Produktion bei Dobler Metallbau machen. Gastgeber und Gremiumsmitglied Daniel Rauh führte durch den Betrieb und erläuterte, wie vor Ort hochwertige Fassadenelemente entwickelt, gefertigt und montiert werden. Aktuell kommen diese Elemente aus Deggendorf beispielsweise auf Baustellen zu Hochhausprojekten in Frankfurt, Berlin und London zum Einsatz. Geschäftsführer Daniel Rauh verdeutlichte, dass für solche Aufgaben spezialisierte und hochqualifizierte Fachkräfte benötigt werden – und die bilde das Unternehmen selbst aus: „Wir sind stolz darauf, dass wir viel ausbilden, dass die Auszubildenden bei uns ihren Weg gehen, sich weiterentwickeln und dann auch Führungsaufgaben übernehmen“, erklärte Rauh.