Titelhema: Künstliche Intelligenz
KI als Wachstumsmotor
“Digitale Souveränität deutscher Unternehmen ist ausschlaggebend für Standort” – das ist die zentrale Aussage der DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026: Unternehmen bleiben digital am Ball – fordern aber klare, praxistaugliche Regeln. Eine zentrale Rolle spielt die Künstliche Intelligenz.
Im Vergleich zum Vorjahr nimmt der Einsatz von KI für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung deutlich zu. Auch die Entwicklung und Optimierung von Produkten gewinnt an Bedeutung, insbesondere in der Informations- und Kommunikationsbranche sowie in der Industrie.
Die Unternehmen halten Kurs: Dies zeigen die diesjährigen Ergebnisse der jährlich durchgeführten DIHK-Digitalisierungsumfrage. Die etwa 5.000 teilnehmenden Betriebe bilden dabei ein breites Spektrum der Wirtschaft ab und stammen etwa aus den Branchen Industrie, Baugewerbe, Handel, Verkehr, Transport und Lagerei, Gastgewerbe und Tourismus, Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie sonstige Dienstleistungen.
Mehr Unabhängigkeit nötig
„Von Hardware über KI bis hin zu Betriebssystemen: Die Mehrheit der deutschen Unternehmen ist nach eigener Einschätzung weitgehend oder vollkommen abhängig von Technologien, Innovationen oder Dienstleistungen aus Nicht-EU-Ländern. Das ist ein Problem für unsere digitale Souveränität“, sagt Dirk Binding, Bereichsleiter Digitale Wirtschaft, Infrastruktur, Regionalpolitik. Die Ergebnisse der aktuellen DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde, machen deutlich: “Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Verschiebungen sehen wir hier dringenden Handlungsbedarf. Die Möglichkeiten sind da, deutsche Unternehmen können Digitalisierung, wir haben die Kompetenzen. Die Betriebe brauchen aber auch den Freiraum, sich entwickeln zu können.”
Wichtig auf dem Weg zur digitalen Souveränität sind für die Unternehmen vor allem bessere Rahmenbedingungen. Dazu zählen laut Umfrage verlässliche rechtliche Regelungen, mehr offene Schnittstellen und Standards, digitale Kompetenzen, Förderungen von Open-Source-Lösungen und ganz wichtig: auch Bürokratieabbau.
Wettbewerbsfaktor KI
„Speziell für die Künstliche Intelligenz und Datennutzung brauchen wir einen praxisnahen und konsistenten Rechtsrahmen damit Unternehmen KI-Technologien effizient einsetzen können“, so Binding. Immerhin: 41 Prozent der Unternehmen, die KI-Lösungen bereits im Einsatz haben, schätzen den Einfluss auf die Produktivität im eigenen Betrieb mittlerweile als hoch ein. „KI wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, das haben die Unternehmen erkannt“, sagt der Digitalexperte. “Und das müssen wir jetzt nutzen und ausbauen.”
Angesichts von knapp einem Drittel der Unternehmen, die bisher weder KI im Einsatz haben noch den Einsatz planen, gibt es aber noch enormes Potenzial. Dazu braucht es allerdings dringend entsprechende digitale Kompetenzen bei den Mitarbeitern, um Technologien effizient und sicher in Unternehmen zu nutzen. Dies hat direkten Einfluss auf den digitalen Reifegrad von Unternehmen – und der ist Voraussetzung für den Einsatz von KI. „Zudem bedarf es leistungsfähiger Infrastrukturen wie Glasfaser- und Mobilfunknetze sowie Rechenzentren und niedrigere Stromkosten – dann können wir auch international besser mithalten.“
Kritischer Faktor Cybersecurity
Das Thema Cybersicherheit steht ebenfalls nach wie vor oben auf der Agenda der Unternehmen. „Die Bedrohungslage bleibt weiterhin sehr hoch. Gleichzeitig schaffen es insbesondere größere Unternehmen, sich besser zu schützen“, sagt Binding. Technische Basismaßnahmen haben die meisten umgesetzt, während die Reaktion auf Cybersicherheitsvorfälle ausbaufähig ist. Diese sollte regelmäßig geprobt werden. Dazu gehört beispielsweise auch das Wiedereinspielen gespeicherter Daten aus Backups.
Angesichts des hohen Kostendrucks und vieler Herausforderungen müssen die Unternehmen dranbleiben und Cybersicherheitsmaßnahmen weiter Priorität einräumen. Vor allem die Krisenvorsorge im Sinne von Resilienz bedarf weiterer Anstrengungen, damit der Betrieb nach einem Angriff schnell wieder aufgenommen werden kann und die Schäden begrenzt bleiben.
Endlich mal machen!
Insgesamt zeigt die DIHK-Umfrage: „Das Fahrwasser für die Unternehmen ist stürmisch. Die Marktbedingungen sind schwierig, Geschwindigkeit und Entwicklungszyklen haben bei digitalen Innovationen rasant zugenommen“, sagt Binding. „Aus den Rückmeldungen geht aber auch hervor: Die Unternehmen treiben ihre Digitalisierung weiter voran.“ Damit dies in Zukunft noch besser gelingen kann, fordern die Unternehmen jedoch zielgerichtete politische Unterstützung. Ganz wichtig sind neben den verlässlichen Rechtsrahmen für KI und Daten sowie Bürokratieabbau vor allem eine bessere digitalisierte Verwaltung, ein effizienterer Netzausbau sowie eine bessere Unterstützung in der Cybersecurity. Mehr Freiräume und digitale Resilienz sind letztendlich ausschlaggebend für die Zukunft des Standorts Deutschland. Potenziale gibt es genügend.
Daniel Rother
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