Titelthema
Auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel
Die Bayerische Staatsregierung hat in den vergangenen Jahren mit Nachdruck daran gearbeitet, die Baubranche und insbesondere den Wohnungsbau in der Krise zu stabilisieren. Nun deutet sich laut Christian Bernreiter, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, endlich eine Trendwende an. Hier seine Einschätzung für die niederbayerische Wirtschaft.
Es gilt, diesen Weg entschlossen weiterzugehen: Im bayerischen Doppelhaushalt 2026/27 sind insgesamt 3,6 Milliarden Euro für die Wohnraumförderung vorgesehen – ein neuer Rekordwert. Damit unterstützen wir den Bau, den Erwerb und die Modernisierung von bezahlbarem Mietwohnraum ebenso wie die Schaffung von selbstgenutztem Wohneigentum für Familien.
Entscheidend ist jedoch, dass auch der freifinanzierte Wohnungsbau wieder in Schwung kommt. Bauen muss schneller, einfacher und kostengünstiger werden. Bayern geht hier voran: Mit den Bayerischen Modernisierungsgesetzen haben wir deutliche Verfahrenserleichterungen erreicht. So sind beispielsweise Dachgeschossausbauten zu Wohnzwecken nun verfahrensfrei, und wir haben eine Obergrenze für die Zahl der nachzuweisenden Stellplätze eingeführt.
Verschiedene Ansatzpunkte beginnen zu greifen
Zudem hat das Zweite Modernisierungsgesetz zum 1. Januar 2025 die Schwelle für Direktaufträge erheblich von 25.000 auf 250.000 Euro angehoben. Dadurch wird die direkte Vergabe öffentlicher Aufträge ohne umfassende Ausschreibung deutlich erleichtert.
Bei 19 bayerischen Pilotprojekten zum Gebäudetyp-e erproben wir gezielt Abweichungen von technischen Regelwerken, um überzogene Baustandards zu reduzieren. Ziel ist es, Kosten zu senken und Bürokratie abzubauen. Erste Projekte zeigen schon Einsparungen von über 15 Prozent bei den Bauwerkskosten.
Der Digitale Bauantrag ist ein bayerisches Erfolgsmodell. Alle niederbayerischen Baugenehmigungsbehörden bieten ihn bereits an – und damit einen digitalen Workflow mit schnellerer Bearbeitung. Allein im vergangenen Jahr wurden bayernweit rund 47.000 Anträge und Anzeigen digital eingereicht.
Vielfältige Unterstützung
Außerdem unterstützt der Freistaat die Städte und Gemeinden bei der Digitalisierung von Planungsverfahren. Durch den Datenstandard XPlanung lassen sich Bauleitpläne digital erstellen, auswerten und einheitlich teilen. Mit der Plattform DiPlanung geht Bayern noch einen Schritt weiter: Sie bietet eine zentrale Anlaufstelle für die digitale Beteiligung und Durchführung von Planverfahren. Und mit dem Förderrahmen XPlan Bonus unterstützen wir Kommunen dabei, ihre Bauleitpläne und städtebaulichen Satzungen zu digitalisieren.
Gemeinsam mit der IHK haben wir das Standortportal Bayern entwickelt. Dort können nun auch Gewerbeimmobilien und Leerstände erfasst werden – ein wertvoller Beitrag, um vorhandene Flächenpotenziale besser zu nutzen.
Bayern kann die Rahmenbedingungen jedoch nicht allein verändern – auch der Bund ist gefordert. In Berlin setzen wir uns daher für mehr steuerliche Anreize ein, etwa durch Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer, verlässliche Abschreibungen und Vorteile für selbstgenutzten Wohnraum.
Bauturbo, Klimaschutz und Leerstände
Der Ende 2025 in Kraft getretene Bauturbo geht maßgeblich auf eine bayerische Initiative zurück und soll den Wohnungsbau in ganz Deutschland beschleunigen: durch verkürzte Prüfzeiten für bestimmte Wohnbauprojekte, erleichterte Nachverdichtung sowie Ausnahmen im Innenbereich und beim Lärmschutz. Gleichzeitig stärken wir die Rolle der Kommunen, da entsprechende Bauvorhaben an ihre Zustimmung gebunden bleiben. Der Bauturbo schafft so mehr Tempo beim Wohnungsbau und sichert zugleich die kommunale Planungshoheit. Für die anstehende Novelle des Baugesetzbuchs fordert Bayern weitere Verbesserungen: zusätzliche Verfahrenserleichterungen, mehr Digitalisierung und den Verzicht auf überbordende Umsetzung von EU-Recht. Besonders wichtig ist uns dabei, dass Anforderungen im Bereich des Klimaschutzes verhältnismäßig bleiben.
Neben der Wohnraumförderung ist die Städtebauförderung ein zentraler Pfeiler unseres Engagements. Damit unterstützen wir unsere Städte und Gemeinden dabei, leerstehende oder wenig genutzte Gebäude wieder mit Leben zu füllen. Für die Umwandlung von Leerständen in Wohnraum erhalten Kommunen Zuschüsse von 80 bis 90 Prozent der förderfähigen Ausgaben.
Bauwirtschaft gemeinsam stärken
Allein Niederbayern hat im Jahr 2025 rund 37 Millionen Euro erhalten. Jeder Euro aus der Städtebauförderung löst etwa sieben Euro an weiteren öffentlichen und privaten Investitionen aus. Das bedeutet: mehr Aufträge, bessere Finanzierung und ein stabilerer Auftragsbestand. Die Städtebauförderung ist damit auch ein wirksames Mittelstands- und Wirtschaftsprogramm, von dem Planungsbüros und Bauunternehmen in ganz Bayern profitieren.
Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Bauwirtschaft auch in Zukunft stark und erfolgreich sein kann.