Titelthema
„Wer Sicherheit in der Unternehmensstrategie verankert, ist gut aufgestellt.“
Die veränderte Sicherheitslage wird in den Unternehmen viel breiter gedacht als noch vor wenigen Jahren – von geopolitischen Themen bis hin zur Resilienz von Lieferketten. Boris Schneidhuber ist neu gewählter Stellvertretender Vorsitzender im IHK-Fachausschuss Industrie. Seine AKE technologies GmbH in Passau, die er gemeinsam mit Mitgesellschafter Bernhard König führt, ist in Branchen von Automotive bis Luft- und Raumfahrt im Einsatz und hat auch einen Standort in den USA.
Boris Schneidhuber, Stv. Vorsitzender IHK-Fachausschuss Industrie.
Welche Entwicklungen beschäftigen Sie als Unternehmer derzeit am stärksten? Wie hat sich Ihr Verständnis von unternehmerischer Sicherheit in den vergangenen Jahren verändert?
Die veränderte Sicherheitslage wird in den Unternehmen viel breiter gedacht als noch vor wenigen Jahren – von geopolitischen Themen bis hin zur Resilienz von Lieferketten. Boris Schneidhuber ist neu gewählter Stellvertretender Vorsitzender im IHK-Fachausschuss Industrie. Seine AKE technologies GmbH in Passau, die er gemeinsam mit Mitgesellschafter Bernhard König führt, ist in Branchen von Automotive bis Luft- und Raumfahrt im Einsatz und hat auch einen Standort in den USA.
Welche Entwicklungen beschäftigen Sie als Unternehmer derzeit am stärksten? Wie hat sich Ihr Verständnis von unternehmerischer Sicherheit in den vergangenen Jahren verändert?
Die Sicherheitslage hat sich für uns als mittelständisches Unternehmen im Maschinenbau in den letzten Jahren spürbar verändert. Früher haben wir unter unternehmerischer Sicherheit vor allem klassische Themen verstanden: Arbeitssicherheit, Anlagensicherheit, vielleicht noch IT-Sicherheit im engeren Sinne. Heute ist der Blick deutlich weiter geworden.
Geopolitische Entwicklungen spielen inzwischen eine Rolle, die wir vor einigen Jahren so nicht erwartet hätten. Wir spüren das konkret, etwa durch die wachsende Nachfrage aus dem Sicherheits- und Verteidigungsbereich, aber auch durch die Frage, wie robust unsere Lieferketten tatsächlich sind. Wer wie wir international liefert und einkauft, muss sich heute intensiver mit Versorgungssicherheit auseinandersetzen als noch vor ein paar Jahren.
Konkrete Maßnahmen im Unternehmen
Wenn Sie auf Ihr Unternehmen blicken: Welche konkreten Maßnahmen oder Investitionen haben Sie in den vergangenen Jahren angestoßen, um Ihr Unternehmen widerstandsfähiger und sicherer aufzustellen?
Wir haben in den vergangenen Jahren Maßnahmen auf mehreren Ebenen angestoßen. Im Bereich der Datensicherheit lassen wir uns regelmäßig extern zertifizieren, unter anderem nach TISAX, ergänzt durch ISO 9001 und ISO 14001.Auf organisatorischer Seite haben wir Prozesse für sensible Projekte, etwa im Bereich der Verteidigungsindustrie, klar von unseren übrigen Geschäftsfeldern abgegrenzt, mit eigenen Freigabe- und Zugriffsstrukturen. Auch unsere internationale Aufstellung mit Werk 1 und Werk 2 in Passau sowie Partnerstandorten in China und den USA nutzen wir, um Lieferketten breiter abzusichern.
Wo sehen Sie heute die größten Risiken – und welche Themen werden in den nächsten Jahren für Sie Priorität haben?
Die größten Risiken sehen wir aktuell in der Geschwindigkeit, mit der sich Anforderungen verändern. Priorität werden der Ausbau der Cybersicherheit, die Lieferkettenresilienz und der bewusste Umgang mit sicherheitsrelevanten Projekten haben.
Vergleich Deutschland – USA
Ihr Unternehmen ist auch in den USA vertreten. Erleben Sie dort einen anderen Umgang mit dem Thema Sicherheit – sei es bei Cybersecurity, physischer Sicherheit, Compliance oder Investitionsentscheidungen? Welche Unterschiede zwischen Deutschland und den USA sind Ihnen besonders aufgefallen, und gibt es Aspekte, von denen wir lernen könnten?
Über unseren Partnerstandort bei der ZELTWANGER Group in South Carolina bekommen wir einen guten Einblick in den amerikanischen Umgang mit Sicherheitsthemen. Es gibt durchaus spürbare Unterschiede. In den USA erlebt man häufig eine pragmatischere und schnellere Herangehensweise, gerade bei Investitionsentscheidungen im Bereich Sicherheit.
Bei Compliance und Zertifizierungen ist der deutsche und europäische Ansatz dagegen oft gründlicher und stärker standardisiert. Das ist speziell in der Automobil- und Verteidigungsindustrie ein echter Vertrauensvorteil etwa mit Blick auf TISAX.
Von den USA können wir lernen, Entscheidungswege zu verkürzen. Umgekehrt bringen wir mit unserer strukturierten Herangehensweise eine Verlässlichkeit ein, die international sehr geschätzt wird.
Sicherheit als Wettbewerbsfaktor
Sicherheitsmaßnahmen verursachen zunächst Kosten, können aber gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Wie finden Sie in Ihrem Unternehmen die richtige Balance zwischen wirtschaftlicher Effizienz und notwendigen Investitionen in Sicherheit und Resilienz?
Sicherheit und wirtschaftliche Effizienz stehen bei uns nicht im Widerspruch, auch wenn Investitionen in Sicherheit zunächst Kosten verursachen. Wir betrachten sie als Investition in Verlässlichkeit, und Verlässlichkeit ist bei unseren Kunden aus der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt oder zunehmend der Verteidigungsindustrie ein entscheidendes Auswahlkriterium.
Die Balance finden wir, indem wir Sicherheitsmaßnahmen nicht isoliert betrachten, sondern in bestehende Prozesse integrieren, etwa in unsere Qualitätsmanagementsysteme.
Am Ende zahlt sich das aus, weil Kunden aus sicherheitssensiblen Branchen genau diese Verlässlichkeit voraussetzen, bevor sie überhaupt eine Zusammenarbeit in Betracht ziehen.
Sicherheits- und Verteidigungsindustrie
Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wie blicken Sie als Unternehmer auf diese Entwicklung? Sehen Sie darin eher wirtschaftliche Chancen, gesellschaftliche Verantwortung oder Herausforderungen?
Alle drei Aspekte treffen für uns zu: wirtschaftliche Chance, gesellschaftliche Verantwortung und Herausforderung zugleich. Wirtschaftlich sehen wir hier klar eine Chance. Wir haben bereits Aufträge in diesem Bereich realisiert und bauen unsere Kompetenzen in Anlagenbau und Testsystemen für die Verteidigungsindustrie gezielt aus.
Gleichzeitig sehen wir das als gesellschaftliche Verantwortung. Eine funktionierende Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in Deutschland und Europa trägt zur Handlungsfähigkeit unseres Landes bei. Wichtig ist uns dabei auch die Akzeptanz innerhalb der eigenen Belegschaft.
Herausforderungen gibt es ebenfalls, insbesondere bei den speziellen Anforderungen an Sicherheitsstrukturen und den Umgang mit sensiblen Daten. Hier greifen wir auf Standards zurück, die wir durch unsere bestehenden Zertifizierungen wie TISAX bereits erfüllen.
Blick nach vorn
Was stimmt Sie trotz allem optimistisch, dass Unternehmen ihre Resilienz und Sicherheit erfolgreich weiterentwickeln können?
Was uns optimistisch stimmt, ist die Erfahrung, dass Unternehmen wie unseres die Resilienz nicht neu erfinden müssen, sondern auf vorhandenen Strukturen aufbauen können. Wer bereits in Qualität, Zertifizierung und internationale Aufstellung investiert hat, ist auch für neue Sicherheitsanforderungen gut gewappnet.
Welchen Rat würden Sie anderen Unternehmern geben, die sich heute auf die Zukunft vorbereiten?
Anderen Unternehmern würde ich raten, Sicherheit nicht als isoliertes Sonderthema zu behandeln, sondern fest in der Unternehmensstrategie zu verankern, ähnlich wie Qualität oder Nachhaltigkeit. Wer das frühzeitig tut, statt erst zu reagieren, wenn der Druck von außen kommt, ist deutlich besser aufgestellt.