Titelthema

Fest im Betrieb: Zwei Generationen, ein Ziel

Vom „Nothaft-Biergarten“ und der Galerie aus blickt man auf das Riesenrad des Straubinger Gäubodenvolksfests. Hinter der traumhaften Kulisse steckt eine Festwirtsfamilie mit langer Tradition. Anton jun. leitet mit seinem Vater Anton sen. die Festzeltbetrieb Anton Nothaft oHG. Gastronomie und das Feiern sind für sie echte Lebensthemen, wie Anton Nothaft jun. berichtet.

Was hat Sie am Festwirt-Dasein gereizt und wie erleben Sie diesen Beruf?

Ich bin ja praktisch damit aufgewachsen und habe früh gesehen, dass es sehr abwechslungsreich und facettenreich ist. Wir decken viele Aufgaben ab von der Logistik bis zur Zeltgestaltung. Der gute Umgang mit den Gästen, dem Personal oder den Lieferanten ist uns sehr wichtig und macht großen Spaß. Die Zeiten fordern uns aber natürlich auch heraus: Die Temperaturen sind heute oft extrem heiß, die Wünsche der Gäste ändern sich und auch das Konsumverhalten. Heute wird alkoholfreies Bier stärker nachgefragt oder vegetarisches Essen. Unser Beruf ist heute viel weiter aufgefächert, als noch in den 80er oder 90er Jahren. Was aber immer bleibt: Das Gäubodenvolksfest ist ein wichtiger Bestandteil unseres Jahresablaufs und jeder, der dabei ist, freut sich immer wieder schon lange im Voraus auf das nächste. Das ist bei allen Beteiligten spürbar.

Wann ist es für Sie ein gelungenes Volksfest, für die Gäste, aber auch wirtschaftlich?

Es geht uns immer um die Gäste, Erfolg ist für uns, wenn die Besucher ein rundes Gesamterlebnis haben. Wir wollen außergewöhnlich gute Getränke, besonderes Essen wie unsere Grillspezialitäten und richtig gute Musik anbieten. Wenn die Leute glücklich heimgehen, dann ist es für uns und das ganze Team ein Erfolg. Rein aus monetärem Abwägen? Das macht hier in Straubing glaube ich niemand, weil das Festwirtdasein auch risikobehaftet und sehr kräftezehrend ist. Wir arbeiten auch an Sonn- und Feiertagen durch und das oft bei extremen Temperaturen. Aber wenn die Leute unser Angebot schätzen, überträgt sich das bis in den letzten Unternehmenswinkel und über die Volksfestzeit hinaus bis in unseren Gasthof oder in die Metzgerei hinein. Dann freuen sich alle und das ist für uns dann echter Erfolg.

Welche Bedeutung haben Feste und Veranstaltungen aus Ihrer Sicht für die regionale Wirtschaft in Niederbayern?

Feste sind ein echtes Aushängeschild für die Region, sie erhalten die Tradition und strahlen stark aus als unsere „5. Jahreszeit“. Und sie sind ein wichtiger Faktor für die Schausteller, Aussteller, Festwirte, Hoteliers, Brauereien und andere Unternehmen. Unsere regionalen Partner gehören für uns schon zur Familie, wenn wir zum Beispiel ihre frischen und qualitativ hochwertigen Produkte anbieten. Und nicht zu vergessen: Der Zeltaufbau beginnt sechs Wochen vorher, dann packen die Partnerfirmen an – vom Installateur bis zum E-Techniker. Der Schwung nimmt in der Region alle mit.

Welche Rolle spielen Feste für die Beschäftigten?

Wir haben einen großen und sehr guten gewachsenen Personalstamm. Oft arbeitet sogar schon die nächste Generation mit, das freut uns besonders. Das Team ist der Grundbaustein jedes Festes. Wenn die Leute vom Grill über die Schenke und die Reinigung bis zum Service motiviert und fleißig sind, funktioniert die ganze Organisation und es macht richtig Spaß. Jeder Baustein ist gleich wichtig. Es ist eine Extremsituation für alle Beteiligten, und das enge Miteinander für eine kurze, aber intensive Zeit fordert Harmonie und Zusammenhalt. Dass wir als Mannschaft langfristig zusammenstehen zeigt, dass das Gäubodenvolksfest für die meisten ein fester Bestandteil des Jahreskalenders ist und bleibt. Nach dem Fest ist vor dem Fest .

Ihr Blick auf die Feste als junger Unternehmer ...

Unser Weg ist: Gutes bewahren und neue Wege sanft beschreiten. So bleiben wir ein klassisches Bierzelt. Bei uns gibt es bewusst keinen Bar-Betrieb oder Aperol-Spritz und Bowls auf der Karte. Wir besinnen uns darauf, wo das Gäubodenvolksfest eigentlich herkommt, auf das, was es das ganze Jahr nicht immer gibt, wie zum Beispiel die Spezialitäten vom Grill. Wenn das Essen und das Bier richtig gut schmeckt und die Musik passt, der Zusammenhalt und die Stimmung da ist, dann passt es für uns und für mich. Ich mache meine Arbeit wirklich gerne und aus voller Überzeugung.