Titelthema
Ausbildung heute in Niederbayern
Drei Unternehmen aus der Region, drei Perspektiven – und doch ein gemeinsames Ziel: die Fachkräfte von morgen auszubilden. Wir haben Verantwortliche aus unterschiedlichen Bereichen befragt, was Ausbildung heute ausmacht. Ihre Antworten zeigen, wie sich Ausbildung verändert, welche Erwartungen heute gelten und warum Ausbildung für Betriebe wichtiger ist als je zuvor.
„Wir erwarten interessierte Auszubildende, die Freude an ihrer Ausbildung haben und sich in unser Team integrieren.“
Christian Boxleitner,
Geschäftsführer Mesutronic GmbH, Kirchberg i.W.,
Anlagen- und Produktschutz
© Foto Bernhard
„Ausbildung ist längst nicht mehr nur Nachwuchsgewinnung, sondern gezielte Investition.“
Carmen Schnupp,
Geschäftsführerin Schnupp GmbH & Co. Hydraulik KG,
Furth/Straubing-Bogen,
Herstellung von Produktionsanlagen und Hydrauliksystemen
„Ausbilder sichern langfristig den Fachkräftenachwuchs und tragen wesentlich zum Erfolg bei.“
Daniela Schönberger-Bayersdorfer,
Personalwesen, EFAFLEX GmbH & Co. KG, Bruckberg,
führender Hersteller von industriellen Schnelllauftoren
Die Ausbildung steht heute stärker im Fokus denn je. Während sich der Arbeitsmarkt wandelt, der Wettbewerb um Nachwuchskräfte zunimmt und neue Kompetenzen gefragt sind, bleibt die Ausbildung für Unternehmen ein zentraler Baustein der Zukunftssicherung. Der Blick auf das kommende Ausbildungsjahr fällt bei den Unternehmen unterschiedlich aus.
Daniela Schönberger-Bayersdorfer aus dem Personalwesen der EFAFLEX GmbH & Co. KG aus Bruckberg zeigt sich optimistisch: „Auf das kommende Ausbildungsjahr können wir tatsächlich positiv blicken. Aufgrund von zahlreichen Bewerbungen hatten wir keine Probleme, passende Azubis zu finden.“ Diese Erfahrung ist jedoch längst nicht überall selbstverständlich.
Christian Boxleitner, Geschäftsführer der Mesutronic GmbH in Kirchberg im Wald, beschreibt die Situation als angespannt: „Alle Ausbildungsstellen besetzen zu können, wird zunehmend schwieriger.“ Gründe sieht er vor allem im Trend zum Studium und im demografischen Wandel. Dennoch überwiegt auch bei ihm noch vorsichtiger Optimismus, da sich Bewerbungsprozesse zunehmend bis kurz vor Ausbildungsbeginn ziehen.
Carmen Schnupp, Inhaberin der Schnupp GmbH & Co. Hydraulik KG in Furth/Straubing-Bogen, sieht einen Wandel: Zwar sei bei jungen Menschen grundsätzlich Interesse an Ausbildung vorhanden, gleichzeitig würden Unternehmen inzwischen auch zunehmend wählerischer. „Wir stecken sehr viel Aufwand in die Ausbildung und haben hohe Übernahmequoten. Umso wichtiger ist es, die richtigen Verbindungen einzugehen“, betont sie. Diese strategische Auswahl zeigt: Ausbildung ist längst nicht mehr nur Nachwuchsgewinnung, sondern gezielte Investition.
Einigkeit herrscht bei den Erwartungen an die Auszubildenden. Neben fachlichen Grundlagen sind es vor allem persönliche Eigenschaften, die zählen.
Daniela Schönberger-Bayersdorfer nennt Motivation, Eigeninitiative und Durchhaltevermögen als zentrale Faktoren. Auch Christian Boxleitner legt in seinem Betrieb Wert auf Neugier, Engagement und die Bereitschaft, aktiv mitzuwirken: „Wir erwarten interessierte Auszubildende, die Freude an ihrer Ausbildung haben und sich in unser Team integrieren. Wichtig ist uns, dass sie bereit sind, von unseren Fachkräften zu lernen und aktiv mitzuwirken.“
Fachliche Kompetenzen werden meist nicht vorausgesetzt, sondern im Betrieb vermittelt – grundlegende Kenntnisse in Mathematik oder Sprache gelten jedoch überall als wichtige Basis. Carmen Schnupp bringt es auf eine einfache Formel: „Es muss menschlich passen – und das Interesse für den Beruf muss da sein. Wenn diese beiden Dinge zusammenkommen, ist gemeinsam alles möglich.“ Teamfähigkeit, Höflichkeit und Begeisterung für die eigene Tätigkeit bilden für sie das Fundament jeder erfolgreichen Ausbildung.
Wie Ausbildung konkret gestaltet wird, zeigt die Vielfalt der betrieblichen Maßnahmen. EFAFLEX Bruckberg setzt auf praxisnahe Einblicke und gezielte Vorbereitung: Präsentationen für Prüfungen, die Begleitung von Messen oder Einsätze in der Produktion sollen den gesamten Ablauf erlebbar machen. Christian Boxleitner hebt insbesondere Eigenverantwortlichkeit hervor: „Azubi-Projekte stärken Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein.“ Zudem seien selbst organisierte Veranstaltungen wichtig, um Integration und Teamgeist zu fördern.
Umfassende Betreuung ist auch der Ansatz bei Carmen Schnupp. Neben klassischen Ausbildungsinhalten setzt ihr Unternehmen auf ein breites internes Schulungsprogramm „Um unsere Azubis optimal durch die Ausbildung zu führen haben wir 18 überthematische interne Schulungen vorbereitet, an denen alle Azubis teilnehmen, egal welcher Fachrichtung. Die Schwerpunkte sind bunt gemischt von KI-Basics über Schweißen, Messtechnik, additive Fertigung bis hin natürlich zur Hydraulik. Das ist gut für die Vernetzung untereinander, und ein breites Wissen ist wichtig für ganzheitliche Lösungen unserer komplexen Herausforderungen." Ergänzt wird dies durch Kooperationen und Zusatzqualifikationen, die den Horizont der Auszubildenden erweitern. Ausbildung geht auch hier weit über den reinen Beruf hinaus.
Die Perspektiven für Auszubildende sind aus Sicht aller drei Betriebe ausgesprochen positiv. Daniela Schönberger-Bayersdorfer sieht in der Ausbildung „einen soliden Grundstein für das Berufsleben“, der zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten eröffnet. Auch Christian Boxleitner betont die Chancen: „Wer engagiert ist, hat aufgrund des Fachkräftemangels sehr gute Zukunftsperspektiven.“ Carmen Schnupp unterstreicht zudem die Gleichwertigkeit von Ausbildung und Studium: „In Kombination mit einer Fortbildung ist sie absolut gleichberechtigt.“
Eine Schlüsselrolle kommt bei allen drei befragten Betrieben den Ausbildern zu. Deren Aufgaben haben sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Christian Boxleitner beschreibt sie als „Lernbegleiter, Mentoren und Coaches“, die nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch die persönliche Entwicklung unterstützen. Carmen Schnupp ergänzt eine oft unterschätzte Dimension: die intensive Begleitung junger Menschen in einer prägenden Lebensphase. „Vor allem unsere
Ausbilder begleiten den Übergang vom Kind zum Erwachsenen“, sagt sie. Auch Daniela Schönberger-Bayersdorfer betont den hohen Stellenwert der Ausbilder: „Sie sichern langfristig den Fachkräftenachwuchs und tragen wesentlich zur Qualität der Ausbildung und zum Unternehmenserfolg bei.“
Warum sich Ausbildung für Unternehmen weiterhin lohnt, wird in allen drei Betrieben deutlich. Sie ist weit mehr als ein Kostenfaktor – sie ist eine Investition in die Zukunft. Daniela Schönberger-Bayersdorfer hebt hervor, dass sich Fachkräfte so gezielt im eigenen Unternehmen entwickeln lassen und wertvolles Wissen erhalten bleibt. Christian Boxleitner sieht in Auszubildenden sehr wichtige Impulsgeber: „Sie bringen neue Ideen und Perspektiven ein, insbesondere im digitalen Bereich.“ Carmen Schnupp formuliert ganz grundlegend: „Ausbildung ist wichtig, weil wir an die Zukunft glauben und die jungen, motivierten Kolleginnen und Kollegen unsere Zukunft sind.“
So unterschiedlich die Branchen und Herangehensweisen auch sind – die Kernaussage ist eindeutig: Ausbildung bleibt ein unverzichtbares Instrument, um Fachkräfte zu sichern, Innovationen voranzutreiben und Unternehmen nachhaltig erfolgreich zu machen. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob ausgebildet wird, sondern wie: mit Engagement, Weitblick und dem klaren Ziel, junge Menschen auf ihrem Weg bestmöglich zu begleiten.