Studie im Auftrag der IHK ermittelt erstmals umfassend die „Exportrelevanz“

Ohne Export wäre Niederbayern ein Fünftel ärmer

Trotz gestiegener Unsicherheit und Krisen weltweit: Die Exportwirtschaft spielt für Niederbayern eine enorm wichtige Rolle. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos hat im Auftrag der bayerischen Industrie- und Handelskammern die „Exportrelevanz“ für die verschiedenen Regionen ermittelt.

Global business logistics import export background and container cargo freight ship transport concept

Für Niederbayern ergibt sich hier ein Wert von 18 Prozent. Was damit gemeint ist, erläutert Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern: „Für Niederbayern bedeutet dieser Wert: 18 Prozent der gesamten Wertschöpfung und ein ebenso hoher Anteil an Arbeitsplätzen oder Steueraufkommen hängen direkt und indirekt von den Warenexporten ab. Vereinfacht formuliert: Der Export ist ein zentraler Wohlstandsfaktor. Ohne ihn wäre Niederbayern um ein Fünftel ärmer.“

Im IHK-Bezirk hängen 950 Millionen Euro an Steueraufkommen vom Export ab

Für die Prognos-Studie wurde die gesamte volkswirtschaftliche Bedeutung des Exports untersucht – und die reicht weit über die Branchen Industrie und Außenhandel hinaus. „Dienstleistungen wie Softwareentwicklung oder Logistik tragen ebenso einen Teil zur Exportrelevanz bei wie etwa die damit befasste öffentliche Verwaltung“, beschreibt Schreiner. Nicht zuletzt profitieren die einzelnen Städte und Kommunen: „Im IHK-Bezirk hängen 950 Millionen Euro an Steueraufkommen vom Export ab. Ohne eine starke Exportwirtschaft wären die Steuereinnahmen also erheblich niedriger“, betont Schreiner.

Forderungen: EU-Binnenmarkt stärken, Handelshemnisse abbauen, neue Freihandelsabkommen und Verlässlichkeit

Auch im Freistaat insgesamt zeigt sich eine hohe Exportrelevanz: Der Wert liegt hier ebenfalls bei 18 Prozent. Im Vergleich der Bundesländer kann nur Baden-Württemberg einen höheren Anteil vorweisen. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. So sticht etwa Dingolfing-Landau mit 38 Prozent Exportrelevanz deutlich heraus. Bayernweit liegt dieser Landkreis auf Platz zwei der Regionen mit der höchsten Exportrelevanz, innerhalb Niederbayerns führt Dingolfing-Landau das Ranking mit großem Abstand an. Angesichts der aktuell angespannten Lage der Wirtschaft in Deutschland sowie der massiv gestiegenen Risiken im internationalen Geschäft ist das keine ausschließlich positive Nachricht, verdeutlicht Schreiner.

Wirtschaftsregionen, die besonders vom Export abhängig sind, sind ihm zufolge auch besonders verwundbar: „Überbordende Bürokratie und Regulierung, hohe Kosten für Energie, Arbeit und Rohstoffe oder mangelnde politische Verlässlichkeit lassen unseren Standort im internationalen Wettbewerb immer weiter zurückfallen. Hinzu kommen Krisen und Konflikte weltweit. Lange hat die exportorientierte niederbayerische Wirtschaft überdurchschnittlich für Wohlstand und Wertschöpfung gesorgt, und viele haben davon hervorragend gelebt. Dass diese goldenen Zeiten vorbei sind, ist in Politik und Gesellschaft offensichtlich noch nicht angekommen“, kritisiert Schreiner.

Die Schlussfolgerungen daraus sind für den IHK-Chef klar: Mit einem gestärkten EU-Binnenmarkt, dem Abbau von Handelshemmnissen, neuen Freihandelsabkommen und vor allem mit effektiven Strukturreformen und verlässlichen Rahmenbedingungen für die Betriebe vor Ort müsse der Exportwirtschaft wieder Stärke und Wachstum ermöglicht werden.

Artikelnr: 381067
cavalieri_sascha

Sascha Cavalieri

Kontakt

Telefon: 0851 507-451
E-Mail schreiben