Online-Handel zwischen China-Giganten und KI-Agenten

Wertvolle Impulse und Einblicke bei den E-Commerce Trends 2026 in Landshut

Wie erreichen wir unsere Zielgruppe? Wie heben wir uns von Mitbewerbern auf dem Markt ab und wie bewegen wir Kunden zum Kauf? Diese zentralen Fragen stellte IHK-Vizepräsident Hans Graf – selbst Händler - gleich zu Beginn der E-Commerce Trends, die erstmals im neuen IHK-Standort Landshut stattgefunden haben. Über 100 Teilnehmer erhielten bei der Highlight-Veranstaltung wertvolle Einblicke von erfolgreichen Online-Händlern aus der Region und bekamen aufgezeigt, was die Megathemen im E-Commerce sind.

Diese Impulse zu bekommen sei wichtiger denn je, machte Martin Himmel, Moderator der Veranstaltung und Mitgründer der D2C Advisors, deutlich. „Der Kostendruck steigt, der Geldbeutel vieler Konsumenten wird leerer. Gleichzeitig drängen chinesische Player wie Temu mit immer mehr Macht auf den Markt und KI verändert den Handel grundlegend. Es sind spannende Zeiten, die es gilt, aktiv zu gestalten.“

Die Megathemen 2026: Mächtige China-Player und KI

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Lieferten Insights aus der Temu-Praxis: (v.l.) Adrian Aubele und Malte Vroom.

Gerade mal drei Jahre brauchte Temu, um in Deutschland zur Nummer 2 bei den Marktplätzen aufzusteigen, vor Ebay und nur hinter Amazon. Der chinesische Konzern legt seinen Fokus immer stärker auf das Local-to-local-Modell – Temu will also lokale Händler gewinnen, die ihre Plattform als Marktplatz nutzen. Wie das Unternehmen hier vorgeht, erklärte Adrian Aubele von der eFly Marketplace Services GmbH, einer Amazon-Agentur.

„Temu will weg vom Ramsch-Image. Sie setzen auf lokale Lager, lokale Verkäufer und Marken-Bereiche. Hier investiert man viel Energie und Geld“, sagte Aubele und lieferte spannende Insights. So seien die Konditionen für Verkäufer auf Temu vor allem im Vergleich zu Amazon durchaus attraktiv, sei es bei Provisionserlösen, beim Support, bei den Auszahlungs-, und Versandbedingungen oder bei der Account-Struktur.

Aubele zeigte auch: Temu-Käufer sind deutlich jünger als die Amazon-Klientel. Wachstum wird getrieben durch virales Social-Media-Marketing, das Median-Preisniveau der Produkte liegt noch deutlich unter dem auf Amazon. Bereits aktiv unterwegs auf Temu ist die elasto GmbH & Co. KG aus der Oberpfalz. Malte Vroomen erklärte, wie das mittelständische Unternehmen die Plattform nutzt und sich so ein weiteres Standbein neben Amazon aufbaut.

Was KI kann – wenn man sie nur lässt

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Heiko Garrelfs sieht in KI-Agenten die Mitarbeiter von morgen.

Den nächsten Kollegen der Online-Händler stellte Unternehmensberater Heiko Garrelfs vor. Es ist ein Kollege, der 24/7 verfügbar ist und täglich dazulernt – KI-Agenten. Garrelfs ging auf Anbieter wie OpenClaw, Hermes oder Codex ein und betonte, dass die Agenten wie virtuelle Mitarbeiter gesehen werden müssten. „Agentenführung ist HR. Sie müssen eingearbeitet werden – mit Rollen, Rechten, Feedback und klare Erwartungen. Macht man das, wird die KI zu einem extrem wertvollen Mitarbeiter.“

Insights von erfolgreichen Online-Händlern aus der Region

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Die Wichtigkeit der "Superfans" für das Unternehmen MissPompardur stellte Erik Reintjes heraus.

Die Newcomer – Miss Pompadour GmbH

Erst 2019 wurde die Miss Pompadour GmbH mit Sitz in Sinzing und Logistik-Hub in Kirchroth gegründet – inzwischen hat die Firma 179 Mitarbeiter und ist die führende D2C-Farbmarke im DACH-Raum. CMO und Co-Geschäftsführer Erik Reintjes zeigte, wie eng dieser rasante Aufstieg mit dem Community-Management von Miss Pompadur verknüpft ist. Von Beginn an setzte man auf den engen Draht zu den Kunden und motivierte sie dazu, selbst Teil der Marke zu werden. „Nichts zahlt mehr auf das Vertrauenskonto ein als zufriedene Kunden, die das auf Social Media kundtun“, sagte Reintjes. Sein Unternehmen baut massiv auf soziale Netzwerke, in denen die vor allem weiblichen Kundinnen Vorher-Nachher-Bilder posten und in den Dialog untereinander treten. Der Support läuft bei MissPompadur über WhatsApp, täglich schreiben mehr als 500 Kunden die Firma an. „Wir sind im Feed zwischen Familie und bester Freundin. Ideal“, sagte Reintjes und betonte die Vorzüge dieses ganz engen Kontakts. Man drücke so die Retourenquote und könne das Produkt, das beratungsintensiv sei, besser erklären.

Ganz aktuell wagt MissPompadour den Sprung in den stationären Handel, die Farben sind inzwischen in Baumärkten verfügbar.

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Über den Kulturwandel im Marketing von LaVita sprach Christian Häckl.

Die Etablierten – LaVita GmbH

Seit 26 Jahren verkauft die LaVita Gmbh mit Sitz in Kumhausen (Landkreis Landshut) Saftkonzentrate zur Nahrungsergänzung. Anfangs hatte das Unternehmen mit dem neu geschaffenen Produkt ein Alleinstellungsmerkmal, doch dies hat sich gewandelt. Immer mehr Nachahmer drängen auf den Markt – mit gravierenden Folgen für den Marketingansatz, wie Christian Häckl, Head of Performance Marketing, darlegte. Der Fokus geht vom Bedarfsmarketing weg hin zum Markenaufbau. „Unser Fokus liegt auf Positionierung und Vertrauen. Emotionale Bindung steht über dem reinen Produktvorteil“, sagte Häckl. Er zeigte, wie es gelingt eine „Markenfestung“ aufzubauen und sich so gegenüber den Nachahmern zu behaupten. Eine wichtige Rolle spielen hierbei auch Daten, die Häckl als Fundament für profitables Wachstum sieht. In Zeiten schwindender Third-Party-Cookies seien eigene Kundendaten der wertvollste Schatz. LaVita nutzt Daten nicht nur zum Verwalten, sondern zur aktiven Steuerung der gesamten Customer Journey.

Die Teilnehmer waren sich einig: Die E-Commerce Trends lieferten einmal mehr wertvolle Impulse für das eigene Geschäft. Und sie machten einmal mehr deutlich, wie dynamisch die Entwicklungen in der Branche sind.

Artikelnr: 380785
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Thomas Breinfalk

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