Gegenwind für Investitionen und Beschäftigung

Mit Zuversicht ins neue Jahr? Für die niederbayerische Wirtschaft gilt das nicht – das zeigen die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn.

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage unter den niederbayerischen Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistung: Nach einer kurzen Zwischenerholung im Herbst vergangenen Jahres brechen die Geschäftsaussichten erneut ein. Anders als in der Vorumfrage wollen jetzt wieder mehr Betriebe ihre Investitionen kürzen statt ausweiten. Als Grund für diese Zurückhaltung nennt IHK-Präsident Thomas Leebmann die unerfüllten Reformversprechen der Regierung: „Ohne die von der Wirtschaft geforderten Strukturreformen werden die privaten Investitionen nicht in Gang kommen. Auch milliardenschwere staatliche Investitionsprogramme können nur einen kurzfristigen Aufschwung bringen, wenn Vertrauen und Verlässlichkeit fehlen“, kritisiert Leebmann.

Was laut der Umfrage hingegen zulegt, sind die Investitionen ins Ausland. Für Leebmann ist das ein Grund zur Sorge. Er verweist auf eine ganze Reihe von Belastungen für die Unternehmen vor Ort: hohe Arbeits- und Energiekosten, überbordende Bürokratie und Regulierung, der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften oder eine unzuverlässige Wirtschaftspolitik. „Das treibt die Betriebe zunehmend ins Ausland. Niederbayerns Wirtschaft ist geprägt von mittelständischen Familienbetrieben, die tief in der Region verwurzelt sind. Keinem dieser Unternehmen fällt ein solcher Schritt leicht“, betont Leebmann.

Verlagerung ins Ausland hat begonnen

Die Betriebe suchen sich nicht nur neue Absatzmärkte im Ausland, sondern verlagern zunehmend auch ihre Produktion dorthin. „Diese Entwicklung hat bereits begonnen. Die Auswirkungen sehen wir auf dem regionalen Arbeitsmarkt“, ergänzt IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner. Die Detailauswertung der Umfrageergebnisse belegt diesen Zusammenhang: Mehr Investitionen ins Ausland gehen demnach mit einem Abbau der Beschäftigung im Inland einher. „Neben den bekannten Risikofaktoren drückt auch das die Beschäftigungspläne weiter nach unten“, erläutert Schreiner. Nur noch zehn Prozent der Befragten gehen von einer steigenden Mitarbeiterzahl in den kommenden Monaten aus. Fast ein Viertel rechnet hingegen mit einem Personalabbau, in der niederbayerischen Industrie sind es knapp ein Drittel der Betriebe – der höchste Wert aller Branchen. „Schlechter waren die Beschäftigungsaussichten in den vergangenen 15 Jahren nur 2020, direkt nach dem Corona-Schock. Dass wir wieder auf diesem Krisenniveau angekommen sind, wird offensichtlich unterschätzt. In der Pandemie wurden viele Fehler gemacht, letztlich haben sich aber Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in einer gemeinsamen Kraftanstrengung aus der Krise herausgearbeitet. Das ist auch heute wieder notwendig“, fordert Schreiner.

Sicherheit und Verteidigung im Fokus

In mehreren Zusatzfragen zur Konjunkturumfrage haben sich außerdem speziell die niederbayerischen Industrieunternehmen zu ihren Aktivitäten im Bereich Sicherheit und Verteidigung geäußert. Neun von 115 Teilnehmern gaben dabei an, direkt militärische Produkte herzustellen. 14 Unternehmen sind als Produzenten von Dual-Use-Gütern aktiv – also von Erzeugnissen, die sowohl militärisch als auch zivil nutzbar sind. Als Zulieferer in diesen beiden Bereichen sind 19 Befragte tätig. Weitere 29 Unternehmen können sich einen späteren Einstieg in den Markt für Verteidigungsgüter vorstellen. Zusammengefasst bedeutet das: 62 Prozent der befragten Industrieunternehmen sind bereits auf die eine oder andere Weise im Bereich Sicherheit und Verteidigung engagiert oder können sich das zumindest vorstellen. Das zeigt die hohe Bedeutung des Themas für die niederbayerische Wirtschaft. Im Zuge der geplanten Stärkung der Bundeswehr dürfte diese Bedeutung weiter steigen.

Der umfassende Konjunkturbericht ist auf der IHK-Website verfügbar. Hier finden sich unter anderem weiterführende Auswertungen zu den einzelnen Branchen sowie ein Vergleich der Umfrageergebnisse zu Geschäftslage und -erwartungen.

In den Konjunkturbericht der IHK Niederbayern fließen die Einschätzungen von 395 regionalen Betrieben zu Wirtschaftslage und -erwartungen ein. Die befragten Unternehmen stellen eine repräsentative Auswahl aus den über 90.000 Mitgliedsbetrieben der IHK dar und kommen aus allen Wirtschaftszweigen und Unternehmensgrößen.

Artikelnr: 364331