6. Niederbayerische Wirtschaftsgespräche
Es gibt Wege aus der Krise – man muss sie nur gehen
ifo-Präsident Professor Clemens Fuest skizzierte vor über 500 Gästen bei den 6. Niederbayerischen Wirtschaftsgesprächen die konjunkturelle Lage in Deutschland und zeigte Möglichkeiten auf, wie die Dauerkrise beendet werden kann. Das sei möglich – wenn man Reformen konsequent angeht.
Bilder der Veranstaltung
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt angespannt: Seit Jahren stagniert das Wachstum, die Inflation verharrt auf hohem Niveau, die Beschäftigungspläne vieler Unternehmen zeigen nach unten und Investitionen werden – wenn überhaupt – zunehmend im Ausland getätigt. Die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort sind vielfältig und erfordern entschlossenes Handeln.
Private Investitionen sind stark rückläufig, die Staatsausgaben steigen rasant
Im Rahmen der 6. Niederbayerischen Wirtschaftsgespräche in der Stadthalle Dingolfing zeigte Professor Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, mögliche Wege aus dieser schwierigen Lage auf. Anhand zahlreicher aktueller Studien analysierte er die strukturellen Schwächen der deutschen Volkswirtschaft und fand dabei klare Worte: „So können wir nicht weitermachen.“ Besonders kritisch bewertete er die Entwicklung der Investitionen: „Die privaten Investitionen sind seit Jahren rückläufig und inzwischen auf dem Niveau von 2015 angekommen, während die Staatsausgaben weiter steigen.“
Zusätzlich belasten hausgemachte Probleme wie überbordende Bürokratie die wirtschaftliche Fahrtrichtung. Auch internationale Krisen wirken sich zunehmend aus – Stichwort Iran-Krieg und Sperrung der Straße von Hormus. Die steigenden Ölpreise bedeuten laut Fuest einen spürbaren Dämpfer für die Erholung der der deutschen Wirtschaft – sie sorgen aber wohl nicht für eine Rezession. Der ifo-Chef erwartet für 2026 in Deutschland ein Wachstum von 0,6 bis 0,8 Prozent. Vor Jahresbeginn ging man von einem Wachstum von über einem Prozent aus.
Gleichzeitig machte Fuest deutlich, dass Deutschland keineswegs handlungsunfähig ist: „Wir sind nicht hilflos. Wir haben es in der Hand, wieder zu Wachstum zurückzukehren.“ Voraussetzung dafür seien jedoch konsequente Reformen – denn: „Von alleine kehrt das Wachstum nicht zurück“.
ifo-Chef zeigt Wege aus der Dauerkrise auf
Fuest skizzierte die zentralen Ansatzpunkte dafür:
- Bürokratieabbau und Deregulierung: Fuest sprach sich für die Abschaffung bestimmter Vorgaben aus, als Beispiel nannte er die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Anhand von ifo-Studien zeigte Fuest: Ein konsequenter Bürokratieabbau könnte die jährliche Wirtschaftsleistung in Deutschland innerhalb von acht Jahren um 146 Milliarden Euro erhöhen
- Bessere Arbeitsanreize: „Arbeit muss sich lohnen“, sagte der ifo-Chef und forderte: Transferleistungen prüfen und dafür sorgen, dass man vom Einkommen aus Mehrarbeit einen größeren Anteil behalten kann.
- Renten müssen bezahlbar bleiben: Die im vergangenen Jahr verabschiedete Aufweichung der Haltelinie gehe in die völlig falsche Richtung, so Fuest. Er schlug mehre Reformoptionen vor – darunter die Abschaffung der Rente ab 63 (ab 2032), die Kopplung des Renteneintrittalters an die an die Lebenserwartung, die Verstärkung des Nachhaltigkeitsfaktors und die inflationsorientierte Anpassung der Bestandsrenten.
- Stärkung des europäischen Binnenmarkts: Sollten 25 Prozent der Hindernisse abgebaut werden, würde die EU-Wertschöpfung um 2,3 Prozent steigen. „Hier liegt ein großes Potenzial“, sagte Fuest.
IHK-Präsident Leebmann: Wir brauchen neue Ansätze, wir brauchen Innovation, Transformation und damit neues Wachstum“
Auch Thomas Leebmann, Präsident der IHK Niederbayern, betonte in seinem Statement die Notwendigkeit, aus der aktuellen Dauerkrise herauszukommen: „Wir brauchen neue Ansätze, wir brauchen Innovation, Transformation und damit neues Wachstum.“ Dies sei sowohl eine Aufgabe der Politik als auch der Unternehmen selbst.
Gleichzeitig zeigte sich Leebmann mit Blick auf die Region zuversichtlich. Die niederbayerische Wirtschaft verfüge über hervorragende Voraussetzungen, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern: ein agiler und zugleich tief in der Region verwurzelter Mittelstand, kluge Köpfe in den Unternehmen sowie eine starke industrielle Basis mit vielfältigen Verflechtungen zu anderen Branchen und Wirtschaftsbereichen.
Die Veranstaltung machte deutlich: Die Herausforderungen sind groß – es gibt aber Chancen, sie zu bewältigen. Entscheidend wird sein, die vorhandenen Potenziale konsequent zu nutzen und die richtigen Rahmenbedingungen für neues Wachstum zu schaffen.
Ausgewählte Stimmen von Unternehmern aus der Region:
© IHK Niederbayern
„Bürokratieabbau ist für uns eine zentrale Stellschraube. Und die Politik darf nicht immer nur schauen, wo mehr Geld herkommen kann, sondern muss stattdessen die Ausgaben minimieren.“
Elisabeth Staudinger, Staudinger Automatisierungstechnik
© IHK Niederbayern
„Für mich war ein zentraler Punkt: Arbeit muss sich wieder lohnen. Das wurde noch einmal klar herausgearbeitet.“
Philipp Dengler, Wirtschaftsjunioren Straubing
© IHK Niederbayern
„Die Schere zwischen privaten Investitionen und staatlichen Ausgaben geht in Deutschland immer weiter auseinander – in anderen europäischen Ländern ist das anders. Das ist sehr deutlich geworden.“
Stefan Swihota, Sparkasse Deggendorf
© IHK Niederbayern
„Professor Fuest hat uns die Aussicht gegeben: Wenn wir alle gemeinsam ernsthaft daran arbeiten, ist neues Wachstum zu schaffen.“
Boris Schneidhuber AKE technologies