Passau Stadt und Land: Gute Noten für den Standort – klare Forderungen von der Wirtschaft

IHK-Gremium diskutiert mit OB und Landrat über Standortzufriedenheitsumfrage

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Die Unternehmerinnen und Unternehmer im IHK-Gremium Passau zusammen mit ihrem Vorsitzenden Thomas Leebmann (vorn Mitte), Landrat Raimund Kneidinger und Passaus OB Andreas Rother (vorn von rechts) sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner (vorn links).

Infrastruktur, Energieversorgung, die Zusammenarbeit mit der Verwaltung oder die Verfügbarkeit von Arbeitskräften – solche und weitere Faktoren bestimmen, wie Unternehmen ihren Standort bewerten und ob sie hier investieren wollen. Wie sich das in Stadt und Landkreis Passau darstellt, hat die IHK Niederbayern die regionalen Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen vor Kurzem gefragt. Die Ergebnisse dieser Standortzufriedenheitsanalyse hat das IHK-Gremium Passau nun erstmals mit Landrat Raimund Kneidinger und Oberbürgermeister Andreas Rother diskutiert, bei einer gemeinsamen Sitzung im Passauer Rathaus.

Mit einer Gesamtnote von 2,2 geben die Unternehmer ihrem Standort eine überwiegend gute Bewertung. Knapp drei Viertel der regionalen Unternehmen würden ihren Standort anderen Betrieben empfehlen. Ebenfalls für Stabilität spricht, dass nur die wenigsten Betriebe in Stadt und Landkreis über eine Verkleinerung oder Verlagerung in den kommenden drei Jahren nachdenken. Mit 69 Prozent gehen die meisten Unternehmen von einer stabilen Entwicklung in diesem Zeitraum aus, 18 Prozent wollen vor Ort wachsen, erweitern und neu investieren. Alle diese Werte liegen in etwa im niederbayerischen Durchschnitt, erläuterte IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner bei der Vorstellung der Umfrage. Er ging aber auch auf die regionalen Besonderheiten ein. „Die Verkehrsanbindung, die Verkehrsinfrastruktur und die ÖPNV-Versorgung werden im Landkreis Passau etwas schlechter bewertet als in der Stadt. Für die Wirtschaft ist das mit Blick auf Pendler oder junge Auszubildende ein Problem. Im Stadtgebiet fällt hingegen auf, dass sich die Unternehmen mehr Sorgen um die Sicherheit im öffentlichen Raum machen“, sagte Schreiner. Ganz oben auf der Agenda der Betriebe steht allerdings ein anderes Thema, betonte der IHK-Chef: Wie in Niederbayern insgesamt fordern auch die Unternehmer im Raum Passau von Behörden und Verwaltung schnellere Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung. Hier sehen sie den größten Handlungsbedarf, und hier herrscht die größte Unzufriedenheit der Wirtschaft im Raum Passau.

Rother, der vor rund fünf Monaten als Oberbürgermeister die Verantwortung für Politik und Verwaltung in der Stadt übernommen hat, griff diese Forderungen auf und stellte sich der Diskussion mit den Unternehmern. Er habe als OB die Wirtschaft zur Chefsache gemacht, versicherte Rother – Digitalisierung und Bürokratieabbau gehören für ihn dazu. Rother sprach sich dafür aus, nicht nur bestehende Verwaltungsprozesse weiter zu digitalisieren, sondern sie gleichzeitig zu vereinfachen. „Da dürfen auch mal Zwischenschritte wegfallen.“ Alles, was möglich sei, werde man umsetzen, bekräftigte Landrat Kneidinger, der in dieselbe Richtung argumentierte. „Entbürokratisierung heißt nicht, Vorschriften zu umgehen“, verdeutlichte er. Aber innerhalb des rechtlichen Rahmens gebe es genug Möglichkeiten, um zu schnellen und pragmatischen Lösungen zu gelangen. Als ein Positivbeispiel dafür nannte Kneidinger das Genehmigungsverfahren zur Erweiterung von Knorr-Bremse in Aldersbach, das innerhalb weniger Monate abgeschlossen werden konnte.

Ein Hindernis für mehr Geschwindigkeit in der digitalen Verwaltung – das wurde in der Diskussion im Passauer Rathaus deutlich – sind die fehlenden gemeinsamen Anwendungen auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene. Das konnten sowohl Rother als auch Kneidinger bestätigen: Der Landrat sprach von „Schnittstellenproblemen“ und Rother schilderte, dass selbst online gestellte Anträge manchmal noch analog weiterbearbeitet werden müssten. „Das muss besser werden. Ich bin aber auch überzeugt: Es wird besser“, unterstrich Kneidinger. Rother ging zudem auf die in der Umfrage thematisierten Sicherheitsprobleme ein: „Rein statistisch war die Stadt noch nie so sicher wie jetzt. Ich habe aber schon den Anspruch, dass sich die Leute in der Stadt sicher und wohl fühlen.“ Instrumente wie mehr Videoüberwachung seien allerdings schwer durchzusetzen. Das Fazit der IHK-Gremiumssitzung zog der Vorsitzende, IHK-Präsident Thomas Leebmann: „Nicht nur die Politik, auch die Unternehmen tragen Verantwortung für den Standort. Wir brauchen daher gemeinsame Lösungen.“