Konjunkturelle Entwicklung in Niederbayern

Konjunktur zum Frühjahr 2026: Krisenmodus hält an

Auf einen Blick

  • Geschäftslage verschlechtert, Erwartungen auf niedrigem Niveau
  • Investitionspläne rückläufig, Beschäftigungspläne weiterhin negativ
  • Energie- und Rohstoffkosten wichtigster Risikofaktor
  • Arbeitskosten gewinnen weiter an Bedeutung
  • Liquiditätslage überwiegend stabil
  • Tourismus stark belastet
  • Positive Impulse aus dem Baugewerbe

J=Jahresbeginn, F=Frühjahr, H=Herbst
Im IHK-Konjunkturklimaindikator werden die aktuelle Lage und die Geschäftserwartungen verrechnet. Der Wert bildet die Stimmung in der Wirtschaft ab.

Aktuelle Konjunkturentwicklung im IHK-Bezirk Niederbayern

Die niederbayerische Wirtschaft verharrt im Krisenmodus. Nach einem Rückschlag bereits zu Jahresbeginn sorgen aktuell die Turbulenzen infolge des Iran-Konflikts für eine weitere Eintrübung der Stimmung. Der Konjunkturklimaindikator, der sowohl die Lage als auch die Erwartungen für die Zukunft abbildet, sinkt von 103,1 auf 100,3 Punkte und liegt damit erneut unter seinem langjährigen Durchschnitt von 114,3 Punkten. Maßgeblich für den Rückgang ist die schlechtere Bewertung der Geschäftslage, während sich die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate auf niedrigem Niveau stabilisieren. Auch die Investitions- und Beschäftigungspläne bleiben per Saldo negativ. Die als „Investitionsbooster“ angekündigten Erleichterungen bei der Abschreibung beweglicher Wirtschaftsgüter entfalten also bislang keine spürbare Wirkung.

Kurzfristige Verbesserungen sind nicht in Sicht. Darauf deutet insbesondere das Auftragsvolumen als wichtiger konjunktureller Frühindikator hin. 33 Prozent der Betriebe melden rückläufige Inlandsaufträge, lediglich 23 Prozent berichten von steigender Nachfrage. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Auslandsgeschäft: 25 Prozent verzeichnen Rückgänge, 19 Prozent Zuwächse. Die Nachfrageschwäche betrifft nahezu alle Absatzregionen; lediglich in Nordamerika zeichnet sich eine vorsichtige Stabilisierung ab. Die jüngsten Handelsabkommen, etwa mit Mercosur und Indien, zeigen bislang keine Effekte. Entsprechend geht auch die Kapazitätsauslastung zurück: Nur 28 Prozent der Unternehmen melden Vollauslastung.

Vereinzelte Lichtblicke gibt es im Baugewerbe. Hier bewerten 41 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 18 Prozent als schlecht. Auch beim Auftragsvolumen überwiegen die positiven Rückmeldungen: 35 Prozent berichten von Zuwächsen, 24 Prozent von Rückgängen. Impulse kommen vor allem aus dem öffentlichen Bau, die staatlichen Investitionsprogramme in diesem Bereich tragen erste Früchte. Deutlich schwächer entwickeln sich dagegen der Wohnungs- und der Wirtschaftsbau. Insgesamt bleibt die Lage angespannt, da gerade die Baubranche von steigenden Energie- und Rohstoffkosten betroffen ist. Die Veränderungen bei den Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werden im „Blickpunkt“ auf der letzten Seite dieses Berichts vertieft.

In mehreren Zusatzfragen haben sich die Unternehmen zu ihrer Liquiditäts- und Finanzierungssituation geäußert. 51 Prozent bewerten ihre Liquidität als gut, 40 Prozent als befriedigend. Nur eine kleine Minderheit stuft die Lage als schlecht (7 Prozent) oder existenzbedrohend (2 Prozent) ein. Stärkere Liquiditätsprobleme zeigen sich vor allem im Tourismus. Der Zugang zu Fremdkapital wird mehrheitlich als unproblematisch eingeschätzt – wenngleich Investitionen oftmals verschoben oder

Die Geschäftslage hat sich verschlechtert, die Erwartungen sind auf einem niedrigem Niveau.

Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen verschieben sich deutlich. Vor dem Hintergrund des Iran-Konflikts rücken Energie- und Rohstoffpreise wieder an die Spitze.

Im Blickpunkt: Risikofaktoren im Zeitablauf

blickpunkt_fruehjahr_2026

  • Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen verschieben sich deutlich. Vor dem Hintergrund des Iran-Konflikts rücken Energie- und Rohstoffpreise wieder an die Spitze. Zuletzt wurden sie 2022 – unmittelbar nach Beginn des Ukraine-Kriegs – als größtes Risiko genannt.
  • Die Betroffenheit unterscheidet sich allerdings stark nach Branchen. Besonders hoch ist sie in der Verkehrs- und Lagerwirtschaft, wo sich 93 Prozent der Unternehmen belastet sehen. Deutlich geringer fällt sie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern (20 Prozent) sowie in der IT-Branche (13 Prozent) aus. Hohe Betroffenheit melden zudem Betriebe aus Tourismus, Handel und Teilen der Industrie.
  • Steigende Arbeitskosten bleiben ein zentrales Risiko und belegen erneut den zweiten Platz. In den Freitextantworten werden sie häufig mit der nachlassenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts in Verbindung gebracht.
  • Der Fachkräftemangel verliert im Zuge der wirtschaftlichen Schwäche vorübergehend an Bedeutung. Der IHK-Arbeitsmarktradar (www.arbeitsmarktradar.bihk.de) zeigt jedoch, dass der Personalmangel mittel- bis langfristig ein zentrales Hemmnis bleibt – vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung.

Artikelnr: 337450