Konjunkturelle Entwicklung in Niederbayern

Konjunktur zum Herbst 2026: Niederbayerns Wirtschaft leicht erholt – Risiken bleiben hoch

Pressemeldung zur aktuellen Konjunkturumfrage

Newspapers, world news information concept, close-up, panoramic

Nach mehreren Rückgängen seit Jahresbeginn bringt der Herbst nun erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung – das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage unter den niederbayerischen Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Von einer Aufbruchstimmung Richtung Jahresende möchte IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner allerdings nicht sprechen.

Auf einen Blick

  • Geschäftslage verbessert sich, Erwartungen bleiben verhalten
  • Investitionspläne leicht im Plus, Beschäftigungspläne deutlich negativ
  • Energie- und Rohstoffpreise bleiben der wichtigste Risikofaktor
  • Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen gewinnen an Gewicht
  • Gute Zahlen in der Finanz- und Versicherungswirtschaft
  • Hohe Bedeutung flexibler Arbeitszeiten

J=Jahresbeginn, F=Frühjahr, H=Herbst
Im IHK-Konjunkturklimaindikator werden die aktuelle Lage und die Geschäftserwartungen verrechnet. Der Wert bildet die Stimmung in der Wirtschaft ab.

Aktuelle Konjunkturentwicklung im IHK-Bezirk Niederbayern

Die niederbayerische Wirtschaft zeigt nach den Rückgängen zu Jahresbeginn und im Frühjahr erste Anzeichen einer leichten Erholung. Die expansive Fiskalpolitik auf Bundesebene sowie zunehmende Impulse aus dem Ausland scheinen die dämpfende Wirkung der weiterhin hohen Energiepreise zu überwiegen. Der Konjunkturklimaindikator, der die aktuelle Lage und die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate verknüpft, steigt von 100,3 auf 105,0 Punkte. Damit liegt er weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt von 114,2 Punkten. Der Anstieg geht vor allem auf die bessere Bewertung der Geschäftslage zurück. Die Erwartungen stabilisieren sich dagegen auf niedrigem Niveau. Die Investitionspläne kehren in den positiven Bereich zurück: Mehr Unternehmen wollen jetzt ihre Investitionen ausweiten. Sorgen bereiten erneut die Beschäftigungspläne der Betriebe: Nur acht Prozent der Befragten rechnen mit einer steigenden Beschäftigtenzahl, mehr als doppelt so viele erwarten eine Abnahme.

Die Lage auf den Absatzmärkten stabilisiert sich. Zwar melden weiterhin mehr Unternehmen rückläufige als steigende Inlandsaufträge. Der Abstand zwischen beiden Gruppen ist jedoch geringer als zuletzt. In der Eurozone halten sich Zuwächse und Rückgänge in etwa die Waage. Aus Nordamerika kommen trotz anhaltender Zollstreitigkeiten positive Signale. Im Handel mit Indien und den übrigen Ländern der Asien-Pazifik-Region steigen die Handelsvolumina, möglicherweise im Zusammenhang mit den jüngst beschlossenen Erleichterungen. Das Mercosur-Abkommen zeigt für die niederbayerische Wirtschaft hingegen bislang keine positiven Effekte.

Parallel zur Belebung im Außenhandel verändert sich die Exportstruktur der Unternehmen. In den Umfragen des Jahres 2023 gaben im Durchschnitt sieben Prozent der Industrieunternehmen an, kein Exportgeschäft zu betreiben. In den Umfragen des Jahres 2026 waren es bereits knapp zwölf Prozent. Zugleich stieg der Anteil der Betriebe mit einer Exportquote von unter 20 Prozent im selben Zeitraum von 36 auf 46 Prozent. Die Zahlen deuten darauf hin, dass sich insbesondere mittelständische Unternehmen zunehmend aus dem Exportgeschäft zurückziehen. Dazu könnten Produktionsverlagerungen an die Absatzmärkte und die durch geopolitische Veränderungen erschwerten Rahmenbedingungen beitragen.

Die hohen Energie- und Rohstoffpreise bleiben die größten Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen gewinnen als Risikofaktor wieder an Gewicht. Freitextantworten verknüpfen dies mit dem Erstarken reformkritischer Kräfte bei den jüngsten Landtagswahlen. Der Fachkräftemangel erreicht mit 39 Prozent den niedrigsten Wert seit Herbst 2011. Das steht im Einklang mit den zurückhaltenden Beschäftigungsplänen der Unternehmen.

Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen

Im Blickpunkt: Sozialstaatsreformen aus Sicht der Unternehmen

In ergänzenden Fragen konnten sich die Betriebe zu den derzeit diskutierten Reformen des Sozialstaats äußern:

  • 60 Prozent der Befragten versprechen sich von einer flexibleren Gestaltung der Arbeitszeiten eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens. Entsprechende Maßnahmen, etwa die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit, sind im Koalitionsvertrag vorgesehen, wurden aber bislang nicht umgesetzt.
  • Mit Blick auf die Lohnnebenkosten fordert mehr als die Hälfte der Betriebe verstärkte Anstrengungen zur Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge.
  • Immerhin 42 Prozent der Unternehmen fühlen sich durch das gegenwärtige Kündigungsschutzrecht in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt.
  • Die Ausgestaltung der geringfügigen Beschäftigung (sog. Minijobs) wird politisch kontrovers diskutiert. Ein zentraler Kritikpunkt sind die oft geringen Rentenansprüche aus Minijobs und das damit verbundene Armutsrisiko im Alter. Bei einer Neuregelung sollte aus Sicht der niederbayerischen Betriebe die Flexibilität erhalten bleiben, die Minijobs bei der Personalplanung bieten.

Artikelnr: 337450