Aktuelle Konjunkturentwicklung im IHK-Bezirk Niederbayern
Die niederbayerische Wirtschaft zeigt nach den Rückgängen zu Jahresbeginn und im Frühjahr erste Anzeichen einer leichten Erholung. Die expansive Fiskalpolitik auf Bundesebene sowie zunehmende Impulse aus dem Ausland scheinen die dämpfende Wirkung der weiterhin hohen Energiepreise zu überwiegen. Der Konjunkturklimaindikator, der die aktuelle Lage und die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate verknüpft, steigt von 100,3 auf 105,0 Punkte. Damit liegt er weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt von 114,2 Punkten. Der Anstieg geht vor allem auf die bessere Bewertung der Geschäftslage zurück. Die Erwartungen stabilisieren sich dagegen auf niedrigem Niveau. Die Investitionspläne kehren in den positiven Bereich zurück: Mehr Unternehmen wollen jetzt ihre Investitionen ausweiten. Sorgen bereiten erneut die Beschäftigungspläne der Betriebe: Nur acht Prozent der Befragten rechnen mit einer steigenden Beschäftigtenzahl, mehr als doppelt so viele erwarten eine Abnahme.
Die Lage auf den Absatzmärkten stabilisiert sich. Zwar melden weiterhin mehr Unternehmen rückläufige als steigende Inlandsaufträge. Der Abstand zwischen beiden Gruppen ist jedoch geringer als zuletzt. In der Eurozone halten sich Zuwächse und Rückgänge in etwa die Waage. Aus Nordamerika kommen trotz anhaltender Zollstreitigkeiten positive Signale. Im Handel mit Indien und den übrigen Ländern der Asien-Pazifik-Region steigen die Handelsvolumina, möglicherweise im Zusammenhang mit den jüngst beschlossenen Erleichterungen. Das Mercosur-Abkommen zeigt für die niederbayerische Wirtschaft hingegen bislang keine positiven Effekte.
Parallel zur Belebung im Außenhandel verändert sich die Exportstruktur der Unternehmen. In den Umfragen des Jahres 2023 gaben im Durchschnitt sieben Prozent der Industrieunternehmen an, kein Exportgeschäft zu betreiben. In den Umfragen des Jahres 2026 waren es bereits knapp zwölf Prozent. Zugleich stieg der Anteil der Betriebe mit einer Exportquote von unter 20 Prozent im selben Zeitraum von 36 auf 46 Prozent. Die Zahlen deuten darauf hin, dass sich insbesondere mittelständische Unternehmen zunehmend aus dem Exportgeschäft zurückziehen. Dazu könnten Produktionsverlagerungen an die Absatzmärkte und die durch geopolitische Veränderungen erschwerten Rahmenbedingungen beitragen.
Die hohen Energie- und Rohstoffpreise bleiben die größten Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen gewinnen als Risikofaktor wieder an Gewicht. Freitextantworten verknüpfen dies mit dem Erstarken reformkritischer Kräfte bei den jüngsten Landtagswahlen. Der Fachkräftemangel erreicht mit 39 Prozent den niedrigsten Wert seit Herbst 2011. Das steht im Einklang mit den zurückhaltenden Beschäftigungsplänen der Unternehmen.