22.04.2026

Nahost-Konflikt: Folgen treffen nahezu alle Betriebe

Der Konflikt im Nahen Osten erfasst die deutsche Wirtschaft in der Breite: In einer aktuellen IHK-Umfrage melden 83 Prozent der Unternehmen negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte, in der Industrie sind es sogar 87 Prozent. Die Umfragewerte aus der bayerischen Wirtschaft entsprechen den Bundeswerten.

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Im Zentrum der Auswirkungen stehen die immensen Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Am häufigsten nennen die Betriebe gestiegene Fracht- und Transportkosten (73 Prozent), gefolgt von höheren Energiezahlungen (71 Prozent) sowie steigenden Rohstoff- und Materialpreisen (58 Prozent). Vor allem durch das Zusammenspiel aus teurer Energie und steigenden Transportkosten spitzt sich die Lage zu. Höhere Treibstoffpreise verteuern Logistik und Fracht, gleichzeitig erhöhen die Energiepreise direkt die Kosten für Produktion und Vorleistungen.

Kostendruck und Lieferkettenprobleme

In der Umfrage berichten Unternehmen von sprunghaften Preissteigerungen, täglich wechselnden Einkaufspreisen und der Unmöglichkeit, verlässlich zu kalkulieren. Teilweise werden bestehende Preiszusagen aufgekündigt oder Lieferungen nur noch zu neuen, schlechteren Konditionen angeboten. Die Betriebe reagieren auf diesen Kostendruck, passen Preise an und stellen Investitionen zurück. 50 Prozent der befragten Unternehmen versuchen, die gestiegenen Kosten über höhere Preise weiterzureichen. Mehr als jedes dritte Unternehmen verschiebt Investitionen oder Projekte. 43 Prozent bauen ihr Risikomanagement aus.

Gleichzeitig nehmen Störungen in den Lieferketten spürbar zu. Die Freitextantworten in der Umfrage verdeutlichen die Dimension: Hier ist die Rede von verschobenen oder gestoppten Verschiffungen, umgeleiteten Containern, wochenlangen Verzögerungen oder fehlenden Transportkapazitäten. Teilweise werden Waren nicht mehr abgenommen oder können gar nicht ausgeliefert werden. Auch Transportversicherungen ziehen sich zurück, Kreditlimits werden angepasst, Geschäftsverhandlungen ausgesetzt. Das führt zu Lieferausfällen oder Verzögerungen und droht, ganze Abläufe ins Wanken zu bringen. Wie zu erwarten, geraten vor allem rohölbasierte Vorprodukte unter Druck, die zu Schlüsselprodukten für die deutsche Industrie zählen: von Kunststoffen, Folien und Dämmstoffen über Chemikalien bis hin zu Kraftstoffen und Spezialmaterialien. Unternehmen berichten von Materialknappheit, Kontingentierungen und teils drastischen Preisaufschlägen und/oder verlängerten Lieferzeiten. 16 Prozent der Industrieunternehmen beklagen bereits konkrete Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten.

„Doppelter Schock“ für die Wirtschaft

Neben den operativen Problemen steigt die Unsicherheit bei den Unternehmen. Sie berichten von fehlender Planbarkeit, steigenden Finanzierungskosten und wachsender Investitionszurückhaltung. Der doppelte Schock aus steigenden Kosten und wachsender Unsicherheit bremst Investitionen und belastet die wirtschaftliche Entwicklung spürbar. Das alles verschärft die Situation am Standort Deutschland. Die Lage der Unternehmen war bereits vor dem Nahost-Konflikt schwierig – angesichts gestiegener Arbeitskosten, zunehmender Bürokratiebelastung oder hoher Energiepreise steckt die Wirtschaft schon länger im Krisenmodus. Die tiefgreifenden Strukturreformen, die IHK und Unternehmen daher vehement einfordern, bleiben bisher aber weitgehend aus.