Verteidigung braucht auch die Wirtschaft

Unternehmen und Bundeswehr im Austausch beim IHK-Gremium Rottal-Inn

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Die Unternehmerinnen und Unternehmer im IHK-Gremium Rottal-Inn mit dem Gastgeber, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Martin Ruhland (rechts), der Gremiumsvorsitzenden Michaela Baumgartner (vorn Mitte) sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner und Oberst Claus Schorn (hintere Reihe von links).

„Wirtschaft und Verteidigung“ war das Schwerpunktthema bei einer Sitzung des IHK-Gremiums Rottal-Inn in der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse in Eggenfelden. „Das Thema hat leider deutlich an Aktualität gewonnen, auch für uns in den Unternehmen“, sagte die Vorsitzende des Gremiums, IHK-Vizepräsidentin Michaela Baumgartner. Das Gremium hat sich daher mit dem Oberst der Reserve Claus Schorn ausgetauscht, dem Leiter des Bezirksverbindungskommandos der Bundeswehr für Niederbayern. Das Kommando soll militärische, zivile und öffentliche Strukturen miteinander vernetzen – als Vorbereitung auf den Katastrophen- wie auf den Verteidigungsfall. „Damit müssen wir uns auseinandersetzen, und darauf müssen wir uns vorbereiten“, betonte Schorn. Er sprach im Gremium auch sensible Punkte an. Nur ein Beispiel: der Wandel von Deutschland als Frontstaat im Kalten Krieg zum Transitland und Aufmarschgebiet in denkbaren aktuellen Konflikten. „Verteidigung ist nicht nur eine Aufgabe für die Bundeswehr“, verdeutlichte Schorn anhand dieses Beispiels. Die zivile Seite gehöre unverzichtbar dazu. Und die Wirtschaft könne hier einen wichtigen Beitrag leisten: mit ihren Produkten, mit Dienstleistungen und nicht zuletzt mit Personal, wenn etwa Reservisten eingezogen werden.

Die intensive Diskussion im Gremium mit dem Oberst zeigte deutlich: Die Unternehmer treiben viele Sorgen um, gleichzeitig sind sie sich ihrer Verantwortung für die Themen Sicherheit und Verteidigung bewusst. Aber: Sie benötigen mehr Informationen und konkrete Angaben. Das bestätigte auch Claus Schorn. Herausforderungen gebe es im Verteidigungsfall nicht nur bei der Infrastruktur, mit Transportwegen, Versorgung, Medikamenten, Rasträumen oder sanitären Einrichtungen – genauso wichtig sei das Informationsmanagement. „Das muss vorbereitet werden, das muss geübt werden, und das kostet Zeit und Geld“, betonte Schorn.

IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner ergänzte das um die Punkte Beschaffung und Produktion: Gerade für kleinere Betriebe sei es eine Herausforderung, mit der Verteidigungsindustrie oder direkt mit der Bundeswehr in Kontakt zu kommen. Dabei liege hier eine Chance für die Wirtschaft, die ansonsten weitgehend in der Krise verharrt. Die privaten Investitionen der Unternehmen kommen nicht in Schwung – wenn überhaupt investiert wird, dann überwiegend im Ausland, erläuterte Schreiner. Daher waren im Gremium die unterschiedlichen öffentlichen Förderprogramme ein Thema, mit denen Unternehmen bei ihren Investitionen vor Ort unterstützt werden können. IHK-Fördermittelberater Wolfgang Luka stellte die große Bandbreite der Fördermöglichkeiten vor, von energetischer Sanierung im Unternehmen über Forschung und Entwicklung bis IT-Sicherheit. Die IHK bietet den Unternehmen dazu Information und Beratung, mit Veranstaltungen an den IHK-Standorten Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing sowie bei individuellen Terminen im Unternehmen, telefonisch und virtuell.