Bundesweit gibt es über 8.000 öffentlich bestellte und vereidigte Experten in rund 275 wirtschaftsnahen Fachgebieten. Vorsitzender des Sachverständigenausschusses der IHK Niederbayern ist Michael Hinterheller aus Vilshofen. Als gelernter Bautechniker war er schon immer darauf bedacht, Bauleistungen möglichst fehlerfrei auszuführen. Die IHK Niederbayern schätzt seine Fähigkeiten sowie Erfahrungen und bestellte und vereidigte ihn 2005 als Sachverständigen im Fachgebiet „Schäden an Gebäuden“. Das bedeutet, dass der gesamte Hochbau außer den technischen Gebäudeanlagen in sein Gebiet fällt. „Einfach gesagt gibt es einen Ortstermin und danach erstelle ich ein Privat- oder Gerichtsgutachten“, sagt Hinterheller. Tatsächlich aber muss ein Sachverständiger nicht nur das komplette Regelwerk und sämtliche DIN-Normen nachvollziehen können, er braucht auch fundiertes „Baustellen-Know-how“ und große Erfahrung beim Begutachten von Bauwerken. Die Aussagen von Sachverständigen haben zum Teil massive Konsequenzen für die Beteiligten. „Es muss alles akribisch aufgezeichnet und verwaltet werden, denn häufig geht es um riesige Summen oder sogar Existenzen von Personen oder Unternehmen“, betont Hinterheller.
„Immer wieder sehen wir, dass Immobilien für hohe Summen gekauft werden. Die Einbeziehung von Sachverständigen wird aber oft vergessen oder man will es sich einfach sparen – in der Hoffnung, dass es der Architekt oder die Baufirma am Ende schon richten wird. Das kann zu großem Ärger führen, wenn es am Ende um die Schuldfrage geht“, weiß der Sachverständige. Er und seine Kollegen appellieren daher an alle Bau- oder Kaufwilligen, am besten so früh wie möglich oder sogar nach jedem Bauabschnitt Sachverständige mit einzubeziehen. „Viele Bauherren erwarten heute, dass alles 100 Prozent perfekt ist. Aber ein Gebäude ist kein Pkw, der im geschützten Raum einer temperierten Halle unter stets gleichbleibenden Bedingungen hergestellt wird“, erklärt Hinterheller. „Bauteile stehen im Freien,es regnet über Nacht, so kann schon Schaden entstehen“, warnt der Bauexperte.
Eva Mühldorfer ist bei der IHK Ansprechpartnerin für Sachverständige. Sie betont die Expertise der öffentlich bestellten und vereidigten Bausachverständigen: „Kein Fall gestaltet sich wie der andere und die Gerichte sind bei technischen Fachfragen auf Unterstützung der Fachleute angewiesen. Jeder, der qualifiziert ist und sich hier engagieren möchte, ist daher herzlich willkommen!“ Die Sachverständigen müssen ihr Wissen regelmäßig erneuern, was auch ihren besonderen Status rechtfertigt. Als Technikfreund hat Michael Hinterheller auch KI getestet. „Sie ist leider kein guter Berater. Zwei von drei Antworten waren trotz vermeintlich sicherer Quellenangaben nicht richtig. Hier ist größte Vorsicht geboten“, berichtet er. Für ihn war, ist und bleibt klar: „Wir öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sorgen für Sicherheit. Wir freuen uns, wenn wir frühzeitig ins Boot geholt werden. Der Auftraggeber weiß dann auch jederzeit, was Sache ist.“