Das zentrale Thema: Energie

Deutschland hat eine der verlässlichsten Stromversorgungen und auch wenn das Thema immer wieder auftaucht: Ein flächendeckender Blackout bleibt äußerst unwahrscheinlich. Das liegt vor allem am sehr gut ausgebauten und eng überwachten Stromnetz sowie an klaren gesetzlichen Regelungen und Sicherheitsmechanismen. Markus Leczycki von der Bayernwerk Netz GmbH mit einem Einblick zum Stand der Energieversorgung für Niederbayern in Krisenzeiten.

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Markus Leczycki, Bayernwerk Netz GmbH

Die Sicherheit der Energieversorgung liegt heute stärker im Fokus als je zuvor. Während früher vor allem technische Störungen oder wetterbedingte Ausfälle Themen waren, sind in den vergangenen Jahren neue Herausforderungen dazugekommen: die Corona-Pandemie, die Folgen des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine, Cyberattacken sowie gezielte Sabotageakte.

Auch in Bayern sind diese Risiken leider zur traurigen Realität geworden: Jüngstes Beispiel ist ein mutmaßlicher Brandanschlag an zwei Strommasten in unserem Netzgebiet bei Garching – etwa 15.000 Haushalte in umliegenden Gemeinden waren für eine Dreiviertelstunde ohne Strom. Die Brände konnten rasch gelöscht und die Stromversorgung mittels Schaltmaßnahmen zügig wiederhergestellt werden. Dass dann binnen weniger Tage die Netze wieder im ursprünglichen Normalbetrieb laufen konnten, war dem professionellen Miteinander der sofort einberufenen Bayernwerk-Taskforce gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von Schwesterngesellschaften, Materialherstellern, anderen 110-kV-Netzbetreibern, Tiefbauunternehmen und spezialisierten Kabelmonteuren zu verdanken.

Im Rahmen der Arbeiten wurden erweiterte Sicherungsmaßnahmen, wie etwa der Einsatz moderner Überwachungstechnik, umgesetzt. Dieses koordinierte Miteinander hat eindrucksvoll gezeigt, wie entscheidend eine funktionierende Krisenorganisation und starke Partnerschaften sind.

Umfassendes präventives Krisenmanagement

Für uns als Verteilnetzbetreiber hat die Versorgungssicherheit unserer Kundinnen und Kunden höchste Priorität. Sicherheit in der Energiebranche bedeutet heute weit mehr als der störungsfreie Betrieb der Netze. Es geht darum, die eigene Organisation widerstandsfähig, also resilient, gegenüber unterschiedlichsten Krisen und Bedrohungen aufzustellen. Grundlage ist ein umfassendes präventives Krisenmanagement.

Dabei hat jeder Akteur eine klar definierte Rolle. Netzbetreiber sorgen dafür, die Stromversorgung möglichst schnell wiederherzustellen. Blaulichtorganisationen leisten Hilfe im Einsatzfall. Kommunen sind für die Notfall- und Krisenvorsorge vor Ort verantwortlich. Nur wenn alle Beteiligten ihre Aufgaben kennen und eng zusammenarbeiten, kann die Handlungsfähigkeit auch in kritischen Situationen sichergestellt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass sich Unternehmen mit der Frage auseinandersetzen, wie sie im Fall einer Versorgungsunterbrechung möglichst lange wesentliche Funktionen aufrechterhalten können. Das Gleiche gilt für Privatpersonen.

Schulterschluss vieler Akteure

Kern unserer Vorsorge ist der „Resilienzplan Bayernwerk“. Er bündelt Maßnahmen zur Sicherung von Personal, Anlagen und Objekten sowie zur Aufrechterhaltung der operativen Handlungsfähigkeit. Dazu gehören regelmäßige Trainings und Krisenübungen, klar definierte Kommunikations- und Meldewege, die Sicherstellung von Materialverfügbarkeit, Notstromversorgung, Telefonie sowie die Einsatzbereitschaft von Fahrzeugen und Kraftstoffreserven. Gleichzeitig werden kritische Anlagen identifiziert, priorisiert und durch zusätzliche Schutzmaßnahmen abgesichert. Unsere Partnerfirmen sind in die Prozesse mit eingebunden. So können wir im Krisenfall zeitnah auf unser Netzwerk zurückgreifen und zusätzliche personelle sowie technische Ressourcen mobilisieren.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit Behörden, Hilfsorganisationen und Kommunen. Seit 2022 unterstützt das Meldesystem FACT24 die strukturierte Kommunikation bei Krisenszenarien.

Herausforderungen der Zukunft

Neben aktuellen Sicherheitsmaßnahmen richten wir den Blick auch auf die Herausforderungen der Zukunft. Im Fokus stehen dabei die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels und widerstandsfähige Lieferketten.

Gemeinsam mit renommierten Forschungspartnern analysieren wir Risiken, entwickeln Gegenmaßnahmen und schaffen die Grundlage für eine auch künftig sichere und verlässliche Energieversorgung.

Nicht zuletzt spielt die Cybersicherheit eine wesentliche Rolle. Kritische Infrastrukturen stehen zunehmend im Fokus professioneller Angreifer. Deshalb investieren wir kontinuierlich in die Sensibilisierung unserer Mitarbeitenden, führen regelmäßige Schulungen durch und setzen auf besonders geschützte IT-Systeme. Ein entscheidender Punkt ist dabei die technische Absicherung unserer Netzsteuerung.

Sicherheit in der Energiebranche ist mehr denn je eine Gemeinschaftsaufgabe. Absolute Sicherheit gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Entscheidend ist jedoch, Risiken frühzeitig zu erkennen, sich auf Krisen vorzubereiten und im Eintrittsfall schnell und professionell handeln zu können. Denn genau das bedeutet Resilienz: widerstandsfähig bleiben, handlungsfähig sein und die Energieversorgung auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig sicherzustellen.

Artikelnr: 356191