2016 fand das Format, das auch international weit verbreitet ist, erstmals im Stadthallenpark statt. Inzwischen ist es fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders. „Das Besondere ist die einzigartige Atmosphäre, die an diesem Abend entsteht. Alle Gäste erscheinen in Weiß, sie bringen Tische, Dekorationen und ihre kulinarischen Köstlichkeiten mit. Tische und Bänke stehen auch leihweise zur Verfügung“, beschreibt Kulturamtsleiterin Sabine Saxinger das Konzept. Der Unterschied zu klassischen Stadtfesten liegt auf der Hand. Nicht große Bühnen, Ausschank oder Festbetrieb stehen im Vordergrund, sondern das gemeinsame Erlebnis. „So sucht man rein konsumorientierte Gastronomiestände vergebens. Die Gäste gestalten den Abend selbst aktiv mit. Das kulturelle Rahmenprogramm des Kulturamtes mit Jazz, Tanz- und Showeinlagen sorgt für einen entspannten Rahmen. Gleichzeitig ist das Fest offen, niedrigschwellig und für alle zugänglich, da kein Eintritt erhoben wird“, führt Saxinger aus.
Obwohl das „Weiße Dinner“ nicht vordergründig darauf abzielt, entstehen insbesondere im Vorfeld wirtschaftliche Effekte. Weil der Dresscode ausdrücklich und einzig weiße Kleidung verlangt, liegt eine gezielte Shopping-Tour für Kleidung oder Schuhe nahe. „Vor dem Event stellen wir tatsächlich eine leicht gesteigerte Nachfrage nach weißen Kleidungsstücken fest. Meistens geht es um weiße Kleider oder weiße Hosen, denn viele haben eine weiße Bluse oder ein weißes Shirt sowieso im Schrank“, berichtet Antonia Krauth, Geschäftsführerin der Modehaus Krauth GmbH am Deggendorfer Stadtplatz. Folgerichtig achtet das Modehaus darauf, vor dem Termin des „Weißen Dinners“ entsprechende Kleidungsstücke zur Auswahl zu haben.
„Auf jeden Fall ist das ‚Weiße Dinner‘ bei den Kunden Gesprächsthema. Ob wir wegen des Events tatsächlich mehr verkaufen, kann ich nicht bestätigen. Im Sommer werden generell eher helle Farben getragen“, so Krauth weiter.
Neben dem Modebereich strahlt das „Weiße Dinner“ auch auf andere Branchen aus, ist Sabine Saxinger überzeugt. Sie führt aus, dass beispielsweise im Bereich Floristik und Dekoration Umsätze generiert werden, „denn Tischschmuck, Kerzen, Blumen und Deko-Elemente sind stark nachgefragt.“ Zudem würden viele Gäste hochwertige Speisen und Getränke im Lebensmitteleinzelhandel kaufen oder Snackboxen bei wechselnden regionalen Anbietern bestellen. „Auswärtige Gäste verbinden den Besuch mit einem Aufenthalt in Deggendorf. Und nicht zu vergessen: Auch Dienstleister in Zusammenhang mit der Technik, Reinigung und Sicherheit profitieren. Hinzu kommt ein nicht zu unterschätzender Imagegewinn, der langfristig Besucher und Kaufkraft in die Stadt bringt.“
Vor diesem Hintergrund spielt das „Weiße Dinner“ auch für das Deggendorfer Standortmarketing eine wichtige Rolle. „Die stimmungsvollen Bilder aus dem Stadthallenpark mit dem offenen Miteinander transportieren positive Emotionen weit über die Region hinaus. Dadurch wird Deggendorf als attraktiver Wohn-, Einkaufs- und Freizeitstandort sichtbar gemacht. Solche Formate sind im Standortmarketing besonders wertvoll, weil sie Identifikation nach innen schaffen und Aufmerksamkeit nach außen erzeugen.“