Die deutsche Wirtschaft muss sich auf eine neue Wettbewerbsrealität einstellen. Chinesische Hersteller konkurrieren längst nicht mehr nur über den Preis, sondern haben qualitativ und technologisch enorm aufgeholt. Die deutschen Unternehmen stecken deshalb aber nicht den Kopf in den Sand, sondern suchen aktiv nach eigenen Antworten.
Die DIHK hat im Juli und August 2026 rund 1.300 Unternehmen aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungssektor zu ihrer Einschätzung der Situation und zu ihren Strategien befragt.
Breite der Wirtschaft betroffen
Eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber verzeichnen zwei Drittel der antwortenden Unternehmen. Besonders hoch ist die Betroffenheit in der Industrie, wo 83 Prozent der Betriebe von zunehmendem Wettbewerbsdruck berichten. 50 Prozent spüren diesen sogar stark oder sehr stark. Im Handel nehmen 73 Prozent eine wachsende Konkurrenz wahr, während andere Dienstleister, Verkehrs- und Logistikunternehmen mit jeweils rund einem Drittel deutlich seltener betroffen sind. Von den Unternehmen mit Investitionen oder eigenen Standorten in China nehmen 88 Prozent Konkurrenzdruck wahr, gefolgt von Betrieben mit Exportgeschäft nach China (86 Prozent) beziehungsweise mit Importgeschäft aus China (82 Prozent). Unter den Betrieben ohne direkte Geschäftsbeziehungen mit der Volksrepublik spüren 38 Prozent die wachsende Konkurrenz chinesischer Wettbewerber.
Innovation statt Rückzug
Um sich zu wappnen, setzen 60 Prozent der deutschen Betriebe auf Produktinnovation, 50 Prozent auf Kostensenkung. 39 Prozent suchen verstärkt nach neuen Absatzmärkten. 31 Prozent der Unternehmen kooperieren mit chinesischen Partnern, bei Betrieben, die Waren und Vorleistungen aus China beziehen, sind es sogar 49 Prozent. 19 Prozent der deutschen Unternehmen planen aufgrund der wachsenden chinesischen Konkurrenz eine Verlagerung ihrer Investitionen, unter den bereits vor Ort engagierten Betrieben sind es mit 38 Prozent doppelt so viele. Ein Rückzug aus ihrem bisherigen Geschäftsfeld kommt für 12 Prozent der Betriebe infrage. Die Mehrheit der Unternehmen wünscht sich außerdem europäische Handlungsfähigkeit im Umgang mit der wachsenden Konkurrenz aus China und eine Strategie, die Europa resilienter macht: 67 Prozent der Befragten sprechen sich für ein gemeinsames außenwirtschaftliches Auftreten der EU aus.
Die Sicht aus Bayern
Chinas rasanter Aufstieg zur Industrie-Exportmacht macht sich immer mehr auch in Bayerns Wirtschaft bemerkbar: 78 Prozent der vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) befragten Unternehmen sehen sich einer zunehmenden Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber ausgesetzt. Damit liegt Bayern deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 67 Prozent. Fast jedes zweite befragte Unternehmen bewertet die Auswirkungen des Wettbewerbs aus China als stark oder sehr stark. Dabei beschränkt sich der Konkurrenzdruck nicht auf den chinesischen Markt. Bayerische Unternehmen spüren ihn zunehmend auch in Deutschland, im europäischen Binnenmarkt und auf Drittmärkten. „Der Wettbewerb mit China wird härter und trifft unsere Unternehmen inzwischen auf nahezu allen Märkten und in allen Produktkategorien“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Gestützt durch seine staatliche Industriepolitik und Subventionen flutet China die Märkte mit hochwertigen Industrie- und Investitionsgütern wie E-Autos, Batterie- und Akkutechnologie, Elektronik, Photovoltaikanlagen, Maschinen und Chemieprodukten, aber auch mit Konsumgütern aller Art. Unsere Antwort darauf darf aber nicht allgemeine Abschottung sein. Die EU muss vielmehr auf faire Wettbewerbsbedingungen pochen: Wer europäischen Unternehmen den Zugang zum eigenen Markt erschwert oder eigene Anbieter staatlich massiv unterstützt, muss mit entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen rechnen.“
So hatte die EU bereits 2024 Strafzölle auf E-Autos von verschiedenen chinesischen Herstellern verhängt, die laut EU-Kommission von wettbewerbsverzerrenden staatlichen Subventionen profitierten. „Europa muss weiter selbstbewusst auftreten und bestehende Regeln konsequent durchsetzen“, fordert BIHK-Chef Gößl.