Appell an den Kanzler: „Wir brauchen einen neuen Aufbruch“
DIHK-Präsident Peter Adrian hat beim IHK-Tag in Berlin eindringlich aufgezeigt, was nötig ist, um den Stillstand in der deutschen Wirtschaft zu überwinden. Als prominentester Gast hörte ihm Bundeskanzler Friedrich Merz zu. Zum IHK-Tag kamen mehr als 800 Unternehmerinnen und Unternehmer, die Spitzen der deutschen IHKs sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Haus der Deutschen Wirtschaft zusammen, dem Sitz der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin. In seiner Eröffnung betonte DIHK-Präsident Adrian ihnen gegenüber: „Wenn Wirtschaften nicht einfacher wird, wie wollen wir dann noch junge Menschen davon überzeugen, ein Unternehmen zu gründen oder ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen?“ Die Weltwirtschaft sei seit 2019 trotz aller Schwierigkeiten insgesamt rund 19 Prozent gewachsen. Im einst wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich starken Deutschland habe es im gleichen Zeitraum regelrecht ein Nullwachstum gegeben, so Adrian. „Und wir kommen auch weiterhin nicht vom Fleck.“
Der Iran-Krieg sei nicht alleinige Ursache für die Lage: „Deutschland ist in vielen Bereichen zu träge, zu langsam und zu kompliziert geworden. Investitionen wandern ab, Unternehmen entscheiden sich zunehmend für andere Standorte, weil dort schneller entschieden und pragmatischer gehandelt wird.“ Gerade in der Krise zeigten sich die Schwächen und Fehlentwicklungen besonders deutlich. „Das gilt für ausufernde Bürokratie, eine fehlgeleitete Klima- und Energiepolitik, zu hohe Arbeits- und Sozialversicherungskosten und – last but not least – überzogene Unternehmenssteuern“, verdeutlichte Adrian. Sein Fazit lautete: „Wir wollen und müssen zurück auf die Erfolgsspur. Wir brauchen einen neuen Aufbruch.“
Auch Bundeskanzler Merz machte bei seiner Rede vor den Teilnehmern des IHK-Tags 2026 die aktuellen geopolitischen und strukturellen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft zum Thema. Als Beispiel für die Stärkung Europas sieht der Bundeskanzler die neuen EU-Freihandelsabkommen, etwa mit den Mercosur-Staaten. Mit Blick auf das eigene Land und seine Wirtschaft versprach er, nach der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung weitere Sozialreformen auf den Weg zu bringen. Mit vielfältigen Maßnahmen stärke die Bundesregierung zudem die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, so Merz – von Energiekostenentlastungen über verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten bis Bürokratieabbau.
Die IHK-Vertreter stellten gegenüber dem Kanzler nochmals klar: Die Wirtschaft verlangt mehr als nur kleine Korrekturen. „Es geht um einen wirklich grundlegenden Kurswechsel. Wir brauchen eine Politik, die Mut macht, eine Politik, die auf Vertrauen setzt statt auf Kontrolle, und eine Politik, die Unternehmerinnen und Unternehmer als Partner begreift und nicht als Problem“, bekräftigte DIHK-Präsident Adrian.
Der diesjährige IHK-Tag in Berlin stand unter dem Leitmotto: „Wie wird Wirtschaft(en) in Deutschland einfacher?“ Neben dem Bundeskanzler stellten sich weitere hochrangige Politiker der Diskussion. So betonte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Gitta Connemann – sie ist auch Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand – den hohen Stellenwert der kleinen und mittleren Unternehmen für das Land. Connemann forderte Wirtschaft und Politik dazu auf, die aktuellen Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Markus Richter, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, gab strategische Einblicke zu den Themen digitale Verwaltung und Bürokratieabbau. Er stellte Lösungsansätze aus dem Digitalministerium vor, darunter die Entwicklung eines speziellen KI-Agenten. Die Unternehmer appellierten an alle Politiker, dass den Ankündigungen nun endlich Taten folgen müssten, um schnelle und spürbare Entlastungen für die Betriebe zu erreichen.