„Mit der Zeit erwächst die innere Sicherheit“

Siska Thiele ist erfolgreiche Unternehmerin, Handelsrichterin und übt weitere Ehrenämter aus. Dem BWL-Studium folgten viele Jahre in verschiedenen Positionen bei der BASF, wie zuletzt als Senior Manager Asia Pacific in Singapur. Dort war sie für die Einführung des E-Commerce verantwortlich. Danach ging es zurück nach Passau. 2005 gründete Siska Thiele mit ihrem Mann Karl-August Thiele die S&K Solutions GmbH.

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Was treibt Sie an, und welche Momente bestätigen Ihnen, dass Unternehmerinnentum der richtige Weg ist?

Mich treibt vor allem der Gestaltungsspielraum an – also die Möglichkeit, Dinge aktiv zu entwickeln, statt nur zu verwalten. Ich schätze es sehr, nah am Kunden zu sein, Anforderungen wirklich zu verstehen und daraus Lösungen zu machen, die in der Praxis funktionieren. Besonders bestätigen mich die Momente, in denen Projekte erfolgreich abgeschlossen werden und Kunden zufrieden sind. Auch wenn neue Produktsortimente, Strategien oder Ideen greifen, merke ich immer wieder: Unternehmerinnentum ist genau der richtige Weg für mich.

Sie sind sehr stark beruflich, ehrenamtlich und familiär engagiert. Wie schafft man das alles?

Das gelingt nur mit guter Organisation, klaren Prioritäten und einem Miteinander – privat in der Familie genauso wie im Unternehmen. Dabei helfen Verlässlichkeit, eine klare Struktur und ein Umfeld, in dem man sich gegenseitig unterstützt. Am Ende ist es genau dieses Zusammenspiel, das vieles möglich macht.

In Ihrem technikorientierten Umfeld: Wie nutzen Sie Ihre Perspektive als Frau, um Innovationen voranzutreiben, die andere vielleicht übersehen hätten?

Innovation entsteht dann besonders gut, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Gerade im Austausch mit meinem Mann Karl-August Thiele ist das sehr wertvoll: Ideen werden diskutiert, hinterfragt und weiterentwickelt, bis eine tragfähige Entscheidung entsteht. Ob das ausschließlich mit dem Frausein zu tun hat, würde ich gar nicht so stark in den Vordergrund stellen. Ich glaube aber schon, dass ich an manchen Stellen anders auf Themen wie Kommunikation, Akzeptanz und die Einbindung von Mitarbeitenden schaue.

Wie gelingt es als Chefin, eine Mitarbeiterkultur zu schaffen, in der Leistung, Teamgeist und individuelle Entwicklung gleichermaßen Platz haben?

Für mich beginnt das mit einem Führungsstil, der verbindlich, klar und gleichzeitig nahbar ist. Mitarbeitende sollen wissen, woran sie sind, was erwartet wird und dass sie sich zugleich mit ihren Ideen und ihrer Persönlichkeit einbringen können. Meine Werte dabei sind Verantwortung, Verlässlichkeit und Weiterentwicklung – sowohl auf Unternehmensseite als auch bei jedem Einzelnen im Team. Leistung und Teamgeist sind für mich kein Widerspruch: Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, einander unterstützen und die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln.

Gab es Situationen, in denen Sie als Frau in internationalen oder männlich dominierten Kontexten besonders gefordert waren?

Ja, absolut. Besonders in eher männlich dominierten Umfeldern – etwa während meiner Tätigkeit bei BASF – war ich gefordert, mir Gehör zu verschaffen und mich klar zu positionieren. Hier musste ich sicher das ein oder andere Mal die „Extrameile“ gehen und mich über besondere Projekte oder Verantwortlichkeiten auszeichnen. Auch meine Arbeit in Asien hat mich stark geprägt, weil ich dort Teams aus unterschiedlichsten Nationen und kulturellem Hintergrund geführt habe. Das war fachlich wie menschlich eine besondere Herausforderung, insbesondere nachdem meine Chefs nach wie vor klar „deutsche“ Erwartungen an mich stellten. Solche Erfahrungen fordern einen sehr, aber das hat mich weitergebracht, meine eigene Klarheit und das Vertrauen in den eigenen Weg gestärkt.

Was hat Ihnen geholfen, souverän und zielgerichtet zu bleiben?

Sehr geholfen hat mir, mir früh eine Mentorin im Führungskreis der BASF zu suchen, mit der ich Herausforderungen offen besprechen konnte. Darüber hinaus waren individuelles Coaching, Führungskräftetrainings, Learning by Doing und auch die Bereitschaft, Dinge nachzujustieren, wenn etwas nicht optimal lief, sehr wichtig. Als junge Führungskraft musste ich oft extrem powern und mich durch besondere Projekte sichtbar machen. Das war nicht immer einfach, aber sehr lehrreich. Mit der Zeit wächst daraus auch die innere Sicherheit, den eigenen Stil zu finden und Verantwortung selbstverständlich anzunehmen

Welche Rolle spielen Netzwerke und Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen, um Frauen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen?

Eine sehr große. Vorbilder machen Wege sichtbar, und Netzwerke können gerade am Anfang enorm helfen, Orientierung und Rückenwind zu geben. Ich finde es wichtig, Frauen in Führungspositionen sichtbar zu machen – allerdings ohne sie nur über ihr Geschlecht zu definieren. Entscheidend sind Kompetenz, Haltung und Verantwortung. Ich selbst engagiere mich als Mentorin in verschiedenen Programmen und gebe meine Erfahrungen sehr gern weiter, weil ich überzeugt bin, dass Ermutigung und ehrlicher Austausch viel bewirken können.

Das Unternehmen

Die S&K Solutions GmbH ist Lösungsanbieter für Karten, Kennzeichnung, Identifikation, Automatisierung und Robotik. Mit rund 70 Mitarbeitern unterstützt das Unternehmen internationale Kunden dabei, Prozesse effizient und zukunftssicher zu gestalten.

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