Forum Verkehr

Autobahnen und Lieferketten im Fokus

Nach der erfolgreichen Premiere fand das Forum Verkehr im Juli 2026 zum zweiten Mal statt. Die Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Logistik, Mobilität und Infrastruktur zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen.

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Diskutierten über die Lage der Autobahninfrastruktur (v.l.) : IHK-Verkehrsexperte Dr. Tobias Maier, Herbert Stadlbauer, Jochen Eid und stellvertretender Hauptgeschäftsführer Thomas Graupe

Im Mittelpunkt standen die Zukunft der Autobahninfrastruktur sowie die Herausforderungen internationaler Lieferketten. Thomas Graupe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, betonte eingangs: „Mobilität und Logistik sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.“ Eine bedarfsgerechte verkehrliche Anbindung sei entscheidend für die Entwicklung des Wirtschaftsraumes Niederbayern.

Dr. Jochen Eid, Geschäftsbereichsleiter Planung der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern, beleuchtete in seinem Vortrag die Bedeutung leistungsfähiger Autobahnen für die Wettbewerbsfähigkeit der Region. „Die Infrastruktur altert nicht nur im Kindergarten oder im Krankenhaus, sondern eben auch und besonders im Verkehrsbereich“, stellte Eid fest. Ein Schwerpunkt liege deshalb auf der Erneuerung und Bestandserhaltung von Brücken. „Hier reden wir von vielen Milliarden Euro an Investitionen.“ In Ostbayern betreffe dies knapp 20 Großbrücken. Gleichzeitig verwies er auf weitere große Aufgaben – von den noch zu sanierenden rund 40 Kilometern der A92 über den abschnittsweise unterschiedlichen Ausbaustandard der A94 bis hin zu den aus seiner Sicht deutlich zurückgegangenen Finanzmitteln aus dem Stammhaushalt auf Bundesebene.

„Transportnetzwerke werden komplexer, Warenströme globaler, der Steuerungsaufwand nimmt zu“

Welche Anforderungen globale Krisen wie die Corona-Pandemie oder der Konflikt im Nahen Osten an die Logistik stellen, zeigte Herbert Stadlbauer, Leiter Kontraktlogistik für Süddeutschland und Standortleiter Straubing bei Kühne + Nagel. „Transportnetzwerke werden komplexer, Warenströme globaler und der Steuerungsaufwand nimmt zu“, skizzierte Stadlbauer die aktuellen Herausforderungen. Im Zentrum stehe dabei die Beherrschung von Komplexität mit den Schlüsselfaktoren Digitalisierung, Resilienz und Risikomanagement sowie Technologie und Innovation. Entscheidend bei alldem bleibe aber der Mensch: Motivierte Mitarbeiter, die eigene Ideen vor Ort einbringen und Verbesserungen anstoßen, seien ein wesentlicher Erfolgsfaktor im globalen Wettbewerb. Die Region Niederbayern biete aufgrund seiner Lage, seiner Infrastruktur und seiner starken Industriecluster einen strategischen Vorteil und sei Teil globaler Lösungen, so Stadlbauers Fazit.

Beim anschließenden Austausch nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Vorträge zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Das Forum Verkehr setzte damit wichtige Impulse für den Dialog zwischen Wirtschaft, Infrastruktur und Logistik und unterstrich die Bedeutung leistungsfähiger Verkehrswege für den Wirtschaftsstandort Niederbayern.

Stimmen aus der Praxis

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Jochen Eid

Jochen Eid, Geschäftsbereichsleiter Planung Autobahn GmbH

Welche Verbesserungen erhoffen Sie sich in Ihrem Bereich durch das Infrastrukturzukunftsgesetz?
Vor allem mehr Klarheit in den Planungs- und Genehmigungsprozessen sowie verlässliche Rahmenbedingungen für alle Beteiligten. Gleichzeitig erwarten wir, dass durch Verfahrenserleichterungen Projekte schneller umgesetzt werden können und wichtige Infrastrukturmaßnahmen früher für die Bürgerinnen und Bürger wirksam werden.

Viele Unternehmen haben mit Zeitverlusten durch Baustellen zu kämpfen. Welche Rolle spielt der Wirtschaftsverkehr in den Planungen der Autobahn GmbH?
Die Sicherstellung einer hohen Netzverfügbarkeit für alle Verkehrsteilnehmer, natürlich einschließlich für den Wirtschaftsverkehr, ist ein zentrales Unternehmensziel der Autobahn GmbH. Gleichzeitig müssen wir immer wieder Zielkonflikte ausbalancieren, etwa zwischen Verkehrssicherheit, Arbeitssicherheit, Schutz von Anwohnern, Umweltschutz, verfügbaren Fahrstreifen, Baukosten oder Bauzeit.

Wenn Sie einen Wunsch für die verkehrliche Infrastruktur in Niederbayern frei hätten – welcher wäre das und warum?
Ein breiter gesellschaftlicher Zusammenhalt für unsere Infrastruktur – vereinfacht gesagt: viel „wir“ und wenig „ich“. Wenn Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung gemeinsam an Lösungen arbeiten, können wir die Verkehrswege zukunftsfähig gestalten.

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Herbert Stadlbauer

Herbert Stadlbauer, Regionalleiter Kontraktlogistik Bayern Kühne + Nagel AG

Was macht den Standort Niederbayern für ein globales Logistikunternehmen wie Kühne + Nagel attraktiv?
Unsere qualifizierten und hochmotivierten Mitarbeitenden sind das Fundament unseres Erfolgs in Niederbayern. Ihr Einsatz hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Kühne + Nagel in den vergangenen Jahren in der Region äußerst positiv entwickelt hat. Ergänzt wird dies durch die zentrale Lage Niederbayerns in Europa, die starke industrielle Basis der Region und die hervorragende Einbindung in internationale Märkte.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie etwa in Straubing, um Lieferketten trotz Krisen stabil zu halten?
Kühne + Nagel begegnet internationalen Krisen mit der Stärke seines globalen Netzwerks. Durch die enge Verzahnung von Regionen, Landesorganisationen, Geschäftsbereichen und Standorten sowie durch transparente Informationsflüsse können wir frühzeitig auf Veränderungen reagieren und flexibel handeln. Dabei gilt der Grundsatz „global denken, lokal agieren“ und genau das setzt unser Team täglich in die Praxis um.

Was ist Ihrer Meinung nach das Zukunftsthema im Bereich Logistik in den kommenden 15 Jahren und warum?
Aus meiner Sicht wird die Logistik noch stärker zu einem strategischen Erfolgsfaktor für Unternehmen werden. Die Komplexität globaler Lieferketten wächst kontinuierlich, weshalb Technologie, Standardisierung und gleichzeitig ein hohes Maß an Flexibilität die entscheidenden Schlüssel zum Erfolg sein werden. Trotz aller Digitalisierung wird der Mensch dabei im Mittelpunkt stehen, während regionale Standorte zunehmend an Bedeutung gewinnen, um globale Netzwerke resilient, effizient und kundenorientiert zu gestalten.

Artikelnr: 390340
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Dr. Tobias Maier

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