18.05.2026

Erneuter Dämpfer: Niederbayerns Wirtschaft im Krisenmodus

IHK-Umfrage zeigt unterdurchschnittliche Wirtschaftsentwicklung über vier Jahre

Die IHK Niederbayern hat für ihren Konjunkturbericht knapp 400 Betriebe im gesamten Bezirk nach ihrer wirtschaftlichen Situation gefragt – mit ernüchterndem Ergebnis: Auch im Frühjahr steckt Niederbayerns Wirtschaft im Krisenmodus. Die schwache Nachfrage im In- und Ausland, hohe Arbeitskosten sowie die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise infolge des Iran-Kriegs ziehen die Geschäftslage nach unten. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, für den Lage und Erwartungen verrechnet werden, zeigt das anschaulich: „Nach einem Einbruch zu Jahresbeginn ist der Indikator nun weiter abgesackt. Seit über vier Jahren ist die Wirtschaftsentwicklung in Niederbayern nun unterdurchschnittlich. Die Krise hält an“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner die Umfrageergebnisse zusammen.

Energie- und Arbeitskosten auf Platz 1 der Risikofaktoren

Verändert hat sich in der aktuellen Umfrage die Risikoeinschätzung der Betriebe: Die Bewertung der gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise schnellt nach oben. Branchen wie Verkehrsgewerbe, Speditionen oder Logistik trifft die Preisentwicklung mit voller Wucht. Aber beispielsweise auch im Tourismus, im Handel und in Teilen der niederbayerischen Industrie wirkt sich das hohe Preisniveau aus. „Dass die extrem gestiegenen Energiepreise ein Problem für die Unternehmen sind, kann niemanden verwundern. Dass aber in der aktuellen Umfragerunde die hohen Arbeitskosten als Risikofaktor nahezu gleichauf liegen, ist ein Alarmsignal. Von diesem Faktor sind ausnahmslos alle Betriebe und alle Branchen betroffen“, verdeutlicht Schreiner. In den Freitextantworten der Umfrage wird klar: Für die Unternehmen schwindet damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Standorts. Den einzigen Rückgang bei den Risiken gibt es laut Umfrage beim Fachkräftemangel. Aber auch das sei keine gute Nachricht, erläutert der IHK-Hauptgeschäftsführer: „Die Beschäftigungspläne der Unternehmen stehen weiterhin im negativen Bereich. Dass sich die Fachkräftesituation für manche Betriebe etwas entspannt, belegt nur die allgemeine Schwäche der Wirtschaft. Auf mittlere und lange Sicht wird uns der Fachkräftemangel aber wieder massiv einholen, allein schon aufgrund der demografischen Entwicklung.“

Klare Forderungen an die Politik

Kurzfristige Verbesserungen erwarten in dieser Situation nur die wenigsten Betriebe – der Anteil der Optimisten liegt in manchen Branchen nur noch im einstelligen Prozentbereich. Die von der Bundesregierung als „Investitionsbooster“ angekündigten Erleichterungen entfalten in der Wirtschaft offensichtlich keine Wirkung. Positive Impulse gibt es lediglich aus der Bauwirtschaft, genauer im öffentlichen Bau.

IHK-Präsident Thomas Leebmann zieht das Fazit aus diesen Umfrageergebnissen: „Die schuldenfinanzierten Investitionen in die Infrastruktur haben einen begrenzten Effekt, die Breite der Wirtschaft kann davon nicht profitieren. Und was an echten Strukturreformen für Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit angekündigt wurde, steckt im politischen Prozess fest.“ Die Regierung habe zwar nicht auf alle Faktoren Einfluss, die die Wirtschaft belasten, betont Leebmann. „Umso wichtiger ist es, sich auf das zu konzentrieren, was hierzulande möglich ist: weniger Regulierung und Bürokratie, eine wirksame Begrenzung der Arbeits- und Sozialkosten, eine niedrigere Steuerbelastung sowie insgesamt eine Stärkung des Unternehmertums“, sagt der IHK-Präsident.