17.07.2026

Rekord-Arbeitskosten als Risikofaktor für Beschäftigung und Wachstum

Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags

Dem bayerischen Jobmotor geht die Puste aus: Hohe Arbeitskosten und
schwache wirtschaftliche Perspektiven zwingen Unternehmen branchenübergreifend
zum Stellenabbau. Das zeigt eine Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage
des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK).

Beschäftigungsplanung der Unternehmen seit drei Jahren im Minus

Die Beschäftigungsplanung der Unternehmen liegt seit drei Jahren deutlich im Minus,
das ist der längste Zeitraum seit Beginn der Erhebung im Jahr 2004. Als wesentlichen
Grund nennen die Unternehmen die hohen Arbeitskosten. 58 Prozent der Betriebe sehen
diese inzwischen als Geschäftsrisiko – so viele wie nie zuvor. Im Tourismus sind es
sogar 70 Prozent, in der Industrie 67 Prozent.

„Der bayerische Arbeitsmarkt wirkt robuster, als er tatsächlich ist. Eine Welle von
Renteneintritten verdeckt derzeit einen tiefgreifenden Beschäftigungsabbau. Es drohen
weitere Stellenverluste und spürbare Wachstumsverluste, insbesondere in den industriell
geprägten Regionen Bayerns“, so BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Aktuell
wollen 24 Prozent der Betriebe Personal abbauen, lediglich 11 Prozent planen
Zuwächse, so die Umfrageergebnisse. Besonders betroffen ist die Industrie: Dort
erwartet jedes dritte Unternehmen Stellenstreichungen, während nur jedes zehnte Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen will.

Die Unternehmen leiden unter den steigenden Lohnnebenkosten, aber auch unter der
Verschiebung des Lohngefüges durch den politisch angeheizten Mindestlohn, so der BIHK. Der Gesamtbeitrag zu den Sozialversicherungen liege schon heute bei über 42 Prozent. Prognosen gehen von einem mittelfristigen Anstieg auf über 45 Prozent aus. "Die
Reformpläne der Bundesregierung werden diesen Anstieg zwar abflachen, aber nicht
stoppen. Ohne eine Stabilisierung wird die Verlagerung der Produktionskapazitäten ins
Ausland noch stärker zunehmen“, sagt Gößl.

Der BIHK fordert zusätzlich maßvolle Reformen beim Flexibilisierungsinstrument
Minijobs statt deren Begrenzung auf Schüler, außerdem das Ende von Anreizen für
Frühverrentungen, die Anpassung des Renteneintritts an die Lebenserwartung und mutigen Bürokratieabbau. „Wir brauchen grundsätzlich Vorfahrt für alle Maßnahmen, die Investitionen, Wachstum und Beschäftigung anschieben“, so Gößl weiter.

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Dr. Josef Schosser

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