31.08.2026

Start ins Ausbildungsjahr: Nochmals ein Rückgang zum Stichtag

IHK-Medieninformation: 3.484 Ausbildungsstarter im IHK-Bezirk – Zwischenstand statt Deadline

img_8582_li

Stellten die Ausbildungszahlen der niederbayerischen Wirtschaft bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vor: IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner und Hans Schmid, stv. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

Zum Start ins neue Ausbildungsjahr am 1. September haben in Niederbayern 3.484 junge Menschen eine Berufsausbildung in der gewerblichen Wirtschaft begonnen. Bereits im Vorjahr hatte die IHK zu diesem Stichtag ein deutliches Minus bei den Ausbildungsstartern verzeichnet – unter anderem aufgrund des ausgefallenen Abiturjahrgangs. Die aktuellen Werte bedeuten nun einen erneuten leichten Rückgang von knapp drei Prozent. Im niederbayerischen Handwerk gab es zum gleichen Stichgang hingegen ein moderates Plus von knapp fünf Prozent bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen.

Betroffen von dem Rückgang im IHK-Bereich sind nahezu alle Branchen, neben dem Handel und dem Transportgewerbe ist das Minus aber vor allem in der niederbayerischen Metall- und Elektroindustrie deutlich. Für IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner ist das ein Alarmsignal: „Die Industrie ist eine Schlüsselbranche in Niederbayern – und gerade dieser Branche setzen hohe Energiepreise, Nachfrageschwäche, Infrastrukturmängel oder steigende Arbeitskosten besonders zu. Wenn die Konjunktur lahmt, muss sich das irgendwann auf die Personal- und Ausbildungsplanung der Unternehmen auswirken. Genau das sehen wir gerade.“

Auszubildende aus dem Ausland werden immer wichtiger

Ein anderes Bild zeigt sich hingegen im Hotel- und Gaststättengewerbe. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es in diesem Bereich nun mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Laut Schreiner hat das viel mit speziellen Anwerbeprogrammen für Auszubildende aus dem Ausland zu tun. Im IHK-Bezirk Niederbayern kommen die mit Abstand meistens ausländischen Auszubildenden aus Vietnam – und genau diese Nachwuchskräfte werden fast ausschließlich im Hotel- und Gaststättenbereich ausgebildet. Ähnlich bei der Handwerkskammer: Hier sorgen die Auszubildenden aus Vietnam für einen Zuwachs im Lebensmittelhandwerk. Aber auch ganz allgemein nimmt der Anteil der ausländischen Auszubildenden in Niederbayern von Jahr zu Jahr zu, ihr Anteil lag bezogen auf die IHK zuletzt bei 15 Prozent. Damit sind in Niederbayern derzeit 1.735 nichtdeutsche Auszubildende aus 93 Ländern in IHK-Berufen tätig. „Gerade für bestimmte Branchen werden Auszubildende aus dem Ausland immer wichtiger. Damit sind Herausforderungen verbunden, für deren Bewältigung die Betriebe mehr Unterstützung von der Politik brauchen“, fordert Schreiner. Als Beispiele nennt er den Spracherwerb oder den hohen Bürokratieaufwand, den eine Anstellung von Auszubildenden aus Drittstaaten immer noch mit sich bringt.

Neun von zehn Betrieben bemängeln die Ausbildungsreife ihrer neuen Auszubildenden

Ein wichtiger Grund für den Rückgang der Ausbildungszahlen insgesamt ist die demografische Entwicklung: Weniger Schulabgänger bedeuten weniger mögliche Bewerber für die Ausbildungsstellen. Der demografische Faktor reicht als Erklärung aber nicht aus. Über die Hälfte der niederbayerischen Ausbildungsbetriebe kann laut einer aktuellen IHK-Umfrage nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Viele Unternehmen berichten, dass sie keine einzige geeignete Bewerbung erhalten haben. Und selbst wenn es mit dem Ausbildungsstart klappt, enden die Probleme nicht: In derselben Umfrage kritisieren neun von zehn Betrieben die mangelnde Ausbildungsreife ihrer neuen Auszubildenden. Defizite zeigen sich nicht nur bei den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen. Auch das Arbeits- und Sozialverhalten mit Punkten wie Belastbarkeit, Leistungsbereitschaft oder Disziplin bewerten die Unternehmen als unzureichend. „Wir haben nicht nur ein Zahlenproblem, wir haben ein Qualitätsproblem“, fasst Schreiner zusammen und stellt klar: „Die Betriebe und ihre Ausbilder gehen diese Herausforderung mit großem Engagement an und investieren beispielsweise in betriebseigene Nachhilfeprogramme. Aber die Ausbildungsbetriebe können nicht alle Defizite allein ausgleichen.“

Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen bleibt hoch

Was hingegen laut den Zahlen der IHK stabil bleibt, ist die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Die deutliche Mehrheit der Betriebe will 2026 laut Umfrage genauso viele Ausbildungsplätze anbieten wie im Vorjahr, rund zehn Prozent wollen sogar mehr ausbilden. Für Schreiner ist das konsequent: „Gerade in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage brauchen die Unternehmen die richtigen, passenden Kräfte, um die Herausforderungen zu bewältigen. Für die niederbayerischen Betriebe sind das vor allem die Fachkräfte aus der beruflichen Bildung. Das ist der Fachkräftenachwuchs, der in der Wirtschaft benötigt wird. Ausbildung ist damit ein wesentlicher Standortfaktor. Daran halten die Betriebe fest.“ Wenn also die Zahl der Erstausbildungen zurückgeht, liege das in den allermeisten Fällen an einem Mangel an geeigneten Bewerbern, nicht an einem Mangel an Ausbildungsstellen, bekräftigt Schreiner. Eine Botschaft ist dem IHK-Hauptgeschäftsführer daher besonders wichtig: „Wir sprechen bei den Ausbildungszahlen von einem Zwischenstand. Der 1. September ist keine Deadline. Die niederbayerischen Betriebe sind weiterhin auf der Suche nach neuen Auszubildenden und ermöglichen jungen Menschen jederzeit den Start in eine Karriere mit beruflicher Aus- und Fortbildung.“

Aktuell gibt es im IHK-Bezirk Niederbayern 2.286 aktive Ausbildungsbetriebe mit insgesamt etwa 11.000 Ausbildungsverhältnissen in rund 150 Berufen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Trotz rückläufiger Zahlen stellen die Ausbildungsbetriebe im Bereich der IHK weiterhin rund 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse in Bayern und leisten damit den größten Anteil an der dualen Berufsausbildung im Freistaat.