Bereits seit Jahren übersteigt in Niederbayern die Arbeitsnachfrage das Arbeitsangebot deutlich. Und die Differenz wird größer. Aktuell fehlen in den niederbayerischen Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft rund 14.000 Arbeitskräfte, über alle Qualifikationsstufen hinweg. Für das Jahr 2029 berechnet der Arbeitsmarktradar eine Lücke von etwa 21.500 Kräften – ein Zuwachs um 53 Prozent in nur drei Jahren. 2,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung oder rund fünf Prozent der Wirtschaftsleistung gehen 2029 in der Region aufgrund dieses Personalengpasses verloren. Der Hauptgrund für diese besorgniserregenden Zahlen ist die demografische Entwicklung, erläutert Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern: „Ältere Arbeitnehmer scheiden aus dem Erwerbsleben aus und zu wenig Nachwuchs an Fachkräften rückt nach. Zudem bleibt viel Potenzial ungenutzt, beispielsweise mit Blick auf die in Niederbayern unterdurchschnittliche Erwerbsbeteiligung von Frauen“, verdeutlicht Schreiner. Der größte Mangel herrscht bei Fachkräften aus der beruflichen Ausbildung – das gilt heute wie in Zukunft. „Für den Arbeitsmarktradar gehen wir zwar in den kommenden Jahren von einer steigenden Zahl an Beschäftigten in Niederbayern aus. Der Anteil der beruflich Qualifizierten daran nimmt aber gleichzeitig ab, weil sich immer weniger junge Menschen für eine Karriere mit Ausbildung entscheiden. Für die Wirtschaft in Niederbayern ist das ein gravierendes Problem, denn genau diese Leute werden in den Betrieben am dringendsten gebraucht“, sagt Schreiner.
Mit 60 Prozent entfällt im Jahr 2029 der mit Abstand größte Anteil der Arbeitskräftelücke in Niederbayern auf Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung – im Bayernvergleich ist das ein besonders hoher Wert. Auch „Spezialisten“, wie Meister, Fachwirte oder Bachelorabsolventen, oder „Experten“ mit akademischer Ausbildung fehlen, allerdings in geringerem Maße.
Der IHK-Hauptgeschäftsführer verbindet die Zahlen aus dem Arbeitsmarktradar mit einem eindringlichen Appell: „Wir müssen alles daransetzen, die aktuelle Strukturkrise des Standorts zu überwinden und den Reformstau aufzulösen. Doch selbst wenn das gelingt, können unsere Betriebe einen Aufschwung nicht mitgehen, wenn ihnen die richtigen Leute fehlen. Wir brauchen daher jetzt sofort mehr Arbeit, mehr praxisorientierte Fachleute und ganz konkret mehr Ausbildung. All das ist eine Investition in die Zukunft. Die Betriebe wissen das, aber in Politik und Gesellschaft muss sich diese Erkenntnis noch stärker durchsetzen.“
Der IHK-Arbeitsmarktradar ist eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der bayerischen Industrie- und Handelskammern mit konkreten Auswertungen für die jeweiligen IHK-Bezirke.
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