Aber von vorn: Schuld an allem ist eigentlich Pullman City. In der Westernstadt fand 2021 die Deutsche Meisterschaft und Bart-Olympiade statt. „Ich war zufällig da, weil ich meine Waren vorgestellt habe“, berichtet der Bartprodukthändler. Dann ging es ganz schnell: Er wurde von Willi Preuß, Gründungspräsident des Ostbayerischen Bart- und Schnauzerclub 1996 e.V., angesprochen, und zack, war Ammerl Vize Deutscher Meister und Vize Olympiasieger Kategorie „Barber Style“ sowie Vereinsmitglied. „Seitdem ich 14 bin, habe ich mein Gesicht nicht mehr gesehen“, erzählt der Niederbayer schmunzelnd. Seine Gesichtsfrisur ist bis zu 48 Zentimeter lang. Täglich verbringt er an die 45 Minuten mit der Pflege derselben und so entstand die Business-Idee. In „Ammerl‘s Bartpflegeshop“ handelt der leidenschaftliche Bartmöger stationär und online mit kosmetischen Produkten und Accessoires. Es gibt sogar eigene Pflegeprodukte: „Boarischer Woid Bartseife Pfefferminz mit Aprikosenöl“ oder „kaltgerührte Schafmilchseife mit Grünem Tee“. Dazu sind Bartöl-Mischsets, Bürsten, Bartperlen, Trinkschutz und Rasierer aller Art erhältlich. Was für „Nicht-Bartige“ vielleicht ein wenig befremdlich wirkt, ist für Andreas Ammerl ganz normal: „So ein Bart ist auch nichts anderes als Haare, die eben nur gepflegt richtig schön sind.“ Historisch gesehen steht der Vollbart für Macht und Würde. Psychologisch betrachtet trauen manche Menschen Bartträgern eine ausgeprägte Durchsetzungsfähigkeit zu, weshalb der Look im Business-Umfeld angeblich Kompetenz vermittelt. Das interessiert Andreas Ammerl alles wenig. Er trägt seinen Bart einfach, weil er es mag.
Der Welttag des Bartes wird übrigens jedes Jahr am ersten Samstag im September gefeiert. Der Legende nach sind Bartträger an diesem Tag von der Hausarbeit befreit.