Energiewendebarometer 2026

Standortfaktor Energiekosten: Produktion wandert ab

Nicht zuletzt hohe Steuern und Abgaben machen Deutschland zum Hochpreisland für Energie. Das IHK-Energiewende-Barometer zeigt die Folgen: Produktion wandert zunehmend ab.

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Teure Energie wird zu einem der belastendsten Standortfaktoren. Die Ergebnisse der aktuellen IHK-Unternehmensumfrage zum „Energiewende-Barometer“ zeigen: Fast die Hälfte der bayerischen Unternehmen sieht ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die hohen Energiekosten gefährdet. Die Niederbayern-Ergebnisse zeigen dieselbe Tendenz wie die Bayernwerte. „Entscheidend ist, was die Unternehmen für Energie bezahlen müssen. Besonders beim Strom sorgen hohe Steuern, Abgaben und Entgelte dafür, dass die Energiepreise in Deutschland international nicht mehr konkurrenzfähig sind. Und die Kostenspirale dreht sich bei Energie immer weiter“, sagt dazu Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern.

Nicht nur die Industrie leidet unter hohen Strompreisen

Das Energiewende-Barometer deckt die Folgen dieser Entwicklung auf: Wegen der hohen Energiepreise plant jeder fünfte bayerische Betrieb, die Produktion am Standort einzuschränken beziehungsweise ins Ausland zu verlagern – oder hat dies bereits getan. Für Schreiner ist das mit Blick auf den Industriestandort Niederbayern ein alarmierender Wert: „Die industriepolitischen Maßnahmen greifen zu kurz. Energieversorgung muss sicher, verlässlich und bezahlbar sein“, bekräftigt Schreiner. Er erinnert daher an ein unerfülltes Versprechen aus dem Koalitionsvertrag: die Stromsteuersenkung für alle. „Eine Entlastung darf nicht auf einzelnen Branchen beschränkt bleiben. Nicht nur die Industrie leidet unter hohen Strompreisen, sondern die gesamte Breite der Wirtschaft“, verdeutlicht der IHK-Chef. Würde die Stromsteuer in Deutschland, wie von der Wirtschaft gefordert, auf den von der EU vorgegebenen Mindestbetrag gesenkt, würde nach Modellberechnungen der IHK ein Hotel im Schnitt um rund 10.000 Euro pro Jahr entlastet, ein Einkaufszentrum um 200.000 Euro und ein großes Rechenzentrum um rund eine Million Euro.

Stromsteuer ist nicht der einzige Kostentreiber

Doch die Stromsteuer ist bei weitem nicht der einzige Kostentreiber, betont Schreiner: „Nachdem der Ausbau der Stromnetze lange vernachlässigt wurde, muss hier im Zuge der Energiewende massiv investiert werden – finanziert über immer weiter steigenden Netzentgelte. Nächstes Jahr soll ein Zuschuss des Bundes für die Netzentgelte deutlich gekürzt werden und mittelfristig drohen mit einer anstehenden Reform der Kalkulation der Netzentgelte weitere Belastungen. Diese Reformpläne betreffen besonders den produzierenden Mittelstand im ländlichen Raum und damit den Kern der niederbayerischen Wirtschaft.“

Die hohen Energiekosten stellen damit den Fortschritt der Energiewende insgesamt zunehmend in Frage. Nur noch rund die Hälfte der befragten Unternehmen kann an dem Ziel festhalten, sich bis 2045 klimaneutral aufzustellen. Das ist ein erheblicher Rückgang gegenüber der Umfrage aus dem Vorjahr: 2025 hatten noch gut 80 Prozent der Unternehmen diese Zielmarke angestrebt. 70 Prozent der bayerischen Betriebe sehen zudem die Bürokratie als Hindernis für ihre Bemühungen für mehr Klimaschutz. „Damit die Unternehmen in die Energiewende investieren und sie voranbringen können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Wirtschaftlichkeit, Technologieoffenheit und ein schnelleres Entscheidungstempo sind dafür aus Sicht der Betriebe die entscheidenden Faktoren. Bei allen drei Punkten muss massiv nachgebessert werden“, bekräftigt Schreiner.

Artikelnr: 402094