KI in der unternehmerischen Praxis: Mehr als der Chatbot
Künstliche Intelligenz ist in der niederbayerischen Wirtschaft ein hochaktuelles Thema. Die Unternehmen suchen nach Lösungen, um die Technologie gewinnbringend, sicher und mit ganz praktischem Nutzen im betrieblichen Alltag einzusetzen. Mit Information, Qualifizierung, Beratung und nun auch dem neuen "Forum Digitalisierung & KI" zeigt die IHK Niederbayern, wie das gelingen kann.
Auftakt zum „Forum Digitalisierung & KI“ in Passau: Philipp Mann, Agentur Philipp, mit Benedikt Grabl und Karl Heinz Friedrich, beide IHK Niederbayern (von links).
© IHK Niederbayern
Aus den Unternehmen selbst heraus kam der Wunsch, zu diesem Top-Thema eine IHK-Veranstaltungsreihe zu begründen. Zum ersten „Forum“ in Passau kamen rund 100 Teilnehmer aus den Betrieben. Sie erhielten von Karl Heinz Friedrich als KI-Experten der IHK den Ratschlag: Die Unternehmen müssen bei diesem Thema Tempo aufnehmen. „Hier gilt Agilität statt Perfektion“, sagte Friedrich.
Auch Philipp Mann von der Digitalagentur Philipp betonte: „KI ist kein Knopf für sofortige Perfektion.“ Der Agenturgründer berichtete aus seiner Praxiserfahrung, wie KI im Mittelstand produktiv eingesetzt werden kann – von der Personalplanung über die Produkterfassung, vom Möbelhändler bis zum Sanitätshaus. Die Lösungen, die seine Agentur dafür entwickelt, bezeichnete er bewusst als „KI-Kollege“. Wie ein menschlicher Kollege brauche dieser eine Arbeitsbeschreibung und klare Aufgaben, müsse eingearbeitet werden und die realen Abläufe im Unternehmen kennenlernen und könne seine Arbeit durch Feedback verbessern. Geht man so vor, ist das Ergebnis kein ressourcenintensiver Alleskönner und -wisser, sondern ein „Kollege“, der ebenso passgenau wie effizient Aufgaben erledigt und den menschlichen Mitarbeitern damit Freiräume schafft für andere, neue Tätigkeitsfelder.
Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technologie griff wiederum Karl Heinz Friedrich auf – mit einem Exkurs, wie KI Führung und Zusammenarbeit im Unternehmen verändert. „Eine Frage ist dabei: Was macht KI mit der Kompetenz meiner Mitarbeiter?“, erläuterte Friedrich. KI könne zum „Deskilling“ führen. Wer Aufgaben einfach an die KI „abschiebt“, statt selbst mitzudenken, läuft Gefahr, dass eigene Fähigkeiten und Fachkompetenz mit der Zeit verkümmern. Wer dagegen mit der KI denkt, nutzt sie als Denkverstärker, verdeutlichte Friedrich. Der Mensch bleibe also wichtig, denn, so Friedrich: „KI verändert Tätigkeiten, nicht ganze Berufe.“
Viele Fragen zu KI und Recht
Das dritte Thema beim „Forum Digitalisierung & KI“ wurde unter den Teilnehmern besonders intensiv diskutiert. Benedikt Grabl von der Rechtsabteilung der IHK legte dar, welche rechtlichen Regeln in Deutschland und der EU gelten, wenn KI im Unternehmen eingesetzt wird. Dazu hatten die Unternehmer viele Fragen. Deutlich wurde dabei auch: Für das Rechtssystem ist es nicht immer einfach, mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Dass der sichere und rechtskonforme Einsatz von KI dennoch eine zentrale Anforderung für die Betriebe ist, bekräftigte aber nicht nur der IHK-Experte, sondern ebenso die Vertreter der Unternehmen selbst. Letztlich gilt daher, so Grabl: „Die rechtliche Begleitung ist kein Verhinderungsinstrument für KI – im Gegenteil.“
Die nächste Veranstaltung im „Forum Digitalisierung & KI“ ist bereits geplant. Termin dafür ist der 9. November im „Das Sud“ in Eggenfelden.