07.08.2026

Hohe Arbeitskosten belasten die niederbayerische Industrie

Sitzung des IHK-Fachausschusses Industrie am Technologie Campus Vilshofen

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Die Mitglieder des IHK-Industrieausschusses um Vorsitzenden Professor Andreas Buske (vorne Mitte) diskutierten über die Themen Arbeitskosten und Cybersecurity. Hier erhielten sie fachlichen Input von Prof. Dr. Michael Heigl, wissenschaftlicher Leiter des Technologie Campus Vilshofen (6.v.l.).

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Industrie gerät zunehmend unter Druck. Vor allem die steigenden Arbeitskosten werden für die Betriebe zur absoluten Wachstumsbremse und stellen aktuell das größte Geschäftsrisiko dar. Dies wurde von den Mitgliedern des IHK-Fachausschusses bei ihrer letzten Sitzung am Technologie Campus Vilshofen klar bestätigt. Wenn Arbeitskosten dauerhaft schneller steigen als Produktivität und Innovation, gerät die industrielle Wertschöpfung in Deutschland zunehmend unter Druck, erklärte der Ausschussvorsitzende Professor Andreas Buske, Chef der Zwiesel Fortessa Group. Man sehe dies auch daran, dass die Zahl der Beschäftigten in der Industrie stetig zurückgehen.

Beschäftigungspläne sind seit drei Jahren im Minus

IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner verdeutlichte die besorgniserregende Entwicklung: Die Beschäftigungsplanung der Unternehmen liegt laut der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage seit drei Jahren deutlich im Minus – der längste Zeitraum seit Beginn der Erhebung im Jahr 2004. Dass die Arbeitslosenquoten weiter niedrig sind, täuscht über die Realität hinweg“, warnte der Hauptgeschäftsführer. Der bayerische Arbeitsmarkt wirke robuster, als er tatsächlich ist. Eine Welle von Renteneintritten verdecke einen tiefgreifenden Beschäftigungsabbau. Frei gewordene Stellen würden nicht mehr nachbesetzt.

Deutschland weise im internationalen Vergleich insgesamt sehr hohe Arbeitskosten auf. Problematisch sind neben den hohen Bruttolöhnen die erheblichen Lohnnebenkosten, die ungebremst weiter steigen, so Professor Buske. Gleichzeitig verteilen sich in Deutschland die hohen Arbeitskosten auf eine im internationalen Vergleich geringere Zahl geleisteter Arbeitsstunden. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen, erklärte Buske. Investitionsentscheidungen werden zunehmend zugunsten kostengünstigerer Standorte getroffen. Dies gefährde langfristig Wertschöpfung, Innovation und qualifizierte Arbeitsplätze gerade auch im industriell geprägten Niederbayern.

"Die Arbeitskosten müssen entschärft werden"

Gefordert seien deshalb jetzt mutige Reformen seitens der Politik, die Investitionen, Wachstum und Beschäftigung anschieben. „Die Arbeitskosten müssen entschärft werden. Deshalb sollten die Sozialversicherungsbeiträge dauerhaft reduziert werden. Gleichzeitig müssen wir das Arbeitsvolumen heben. Anreize für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben sind abzubauen, insbesondere bei Frührente und anderen Übergangsregelungen“, fasst der Vorsitzende die Forderungen des Industrieausschusses zusammen.

Unternehmer teilen Erfahrungen von Cyberattacken

Passend zum Sitzungsort beschäftigten sich die Mitglieder des Industrieausschusses auch mit der zunehmenden Bedrohung durch Cyberangriffe. Professor Dr. Michael Heigl, wissenschaftlicher Leiter des Technologie Campus, stellte klar: Künstliche Intelligenz beschleunigt die Cyberkriminalität und macht Angriffe schneller und gefährlicher. Auch mehrere Unternehmen im Ausschuss berichteten von eigenen Erfahrungen mit Cyberattacken, die zum Teil hohe Schäden verursacht haben.

Professor Andreas Buske verdeutlichte die Dringlichkeit des Themas: „Wir nutzen IT jeden Tag. Dass diese angreifbar ist, ist nicht jedem bewusst. Doch in den allermeisten Fällen ist sie angreifbar – und die daraus resultierenden Schäden können immens hoch sein.“ Er appellierte an die Unternehmer: „Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter, achtsam zu sein. Fakes sind immer schwerer zu entlarven.“ Als Beispiel nannte er täuschend echte Stimmfakes, die Mitarbeiter gezielt in die Irre führen können.