14.10.2026

Erholung in Niederbayerns Wirtschaft – aber Risiken für die Zukunft

Nach mehreren Rückgängen seit Jahresbeginn bringt der Herbst nun erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung – das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage unter den niederbayerischen Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Von einer Aufbruchstimmung Richtung Jahresende möchte IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner allerdings nicht sprechen.

„Eine Verbesserung sehen die Unternehmen vor allem für den Moment, für ihre aktuelle Geschäftslage. Gefragt nach den Aussichten für die kommenden Monate verharren die Bewertungen im negativen Bereich. Insgesamt verläuft die Wirtschaftsentwicklung in Niederbayern seit knapp fünf Jahren unterdurchschnittlich“, betont Schreiner.

Investitionspläne zeigen nach oben, die Beschäftigungspläne nach unten

Im Schnitt erreichen die Investitionspläne der Betriebe wieder den positiven Bereich: Eine knappe Mehrheit der Unternehmen will die Investitionen ausweiten. Die Beschäftigungspläne können damit aber nicht mithalten. Nur acht Prozent der Befragten rechnen mit einer steigenden Beschäftigtenzahl, mehr als doppelt so viele müssen hingegen Stellen abbauen. „Der Fachkräftemangel ist in manchen Branchen aktuell kein Thema mehr“, verdeutlicht Schreiner. Im Handel sinken die Beschäftigungspläne auf den niedrigsten Stand seit dem Corona-Schock 2020. Vom kommenden Weihnachtsgeschäft erwarten sich die Händler nicht allzu viel. In der niederbayerischen Industrie hingegen verbessert sich die Geschäftslage erneut. Die Auslastung bleibt aber trotzdem unterdurchschnittlich, besonders in Teilbereichen wie dem Maschinenbau. Insgesamt hält die Investitionszurückhaltung in der Industrie daher an und die Beschäftigung gibt weiter nach. „Da Industrie und Handel zu den beschäftigungsreichsten Branchen in Niederbayern zählen, betrifft eine solche Entwicklung den gesamten Standort“, erläutert Schreiner. Bei den Dienstleistern schließlich zeigt sich die Lage insgesamt robust und die Investitionspläne erreichen den im Branchenvergleich höchsten Wert. Besonders gute Zahlen meldet die Finanz- und Versicherungswirtschaft. Im Bereich Transport, Lager und Logistik – eine Teilbranche, die eng mit Industrie und Handel verflochten ist – ist die Auslastung hingegen unzureichend.

IHK-Präsident Leebmanns Forderungen an die Politik: „Kosten senken, Bürokratie abbauen, Verfahren beschleunigen, Infrastruktur modernisieren"

Für den Präsidenten der IHK Niederbayern, Thomas Leebmann, zeigt die Konjunkturumfrage damit eine erste Aufwärtstendenz, die Risiken dürften aber nicht außer Acht gelassen werden. „Die zu hohen Arbeits- und Energiekosten sind weiterhin die größten Belastungen für unseren Standort. Und beide Posten gehen immer weiter nach oben statt nach unten“, sagt Leebmann. Das Fazit des IHK-Präsidenten ist klar: „Kosten senken, Bürokratie abbauen, Verfahren beschleunigen, Infrastruktur modernisieren – für unsere Unternehmen ist entscheidend, dass die wichtigen Reformen jetzt zügig und vor allem ohne Abstriche umgesetzt werden. Dazu gehören auch Forderungen nach flexibleren Arbeitszeitregelungen sowie einer Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge. Dass in den jüngsten Wahlen die reformkritischen Kräfte zulegen konnten, ist aus Sicht der Unternehmer ebenfalls ein Risikofaktor für die weitere Entwicklung – auch das zeigt die Umfrage.“

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Dr. Josef Schosser

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